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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 6 · p. Seite 240

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 6
Article
Der reiche Michael [Nachricht]
Date
1861-01-01
Page
Seite 240 (sequence 2)
Language
German
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240 Notizen. und Juden in “grosser Zahrherbeiströmen,’ um den Fürsten und Fürstinnen, Reichsgrossen und Gesandten ihre Waaren, seidene Gewände; kostbare Goldstoffe , silberne und ־'goldene Schmuck- Sachen und Kleinodien 11. dgl. zum Verkauf zu stellen.“ Vor Allen ist es dann das heranströmende Kramervolk der Juden, welches sich auf den Reichstagen überall findet, wo es ein Ver- .dienst gibt und etwas zu handeln ist. ״Vor Jahren spielte vorzüglich der überaus reiche Jude Michael, im ganzen deutschen Reiche als der reiche Michel bekannt, auch auf den Reichstagen eine grosse Rolle, und machte überall bedeutende Geschäfte. An Pomp und Pracht überstrahlte er manchen deutschen Fürsten, denn wo er erschien, trat er immer im Glanze eines grossen Herrn auf, dessen ganzes Aeusseres es verrieth, dass er über mehr Geldsäcke zu gebieten habe, als mancher deutsche Kurfürst. Man sali ihn in .den Gassen nie anders als in den stattlichsten, kostbarsten Kleidern, den Hals mit schweren, goldenen Ketten behängt, meist auf einem reich äusstaffirten Pferde reitend, ihm zur Seite zehn bis zwölf seiner Diener, alle Juden, doch nicht anders als reisige Knechte um ihn herlaufend. Seine Persönlichkeit hatte so viel Imposantes und sogar Adeliges, dass das Gerücht ging, sein rechter Vater sei ein Graf von Reinfeld gewesen. So habe ich selbst in/meiner Jugend dies es jüdische Prachtstück hier in Augsburg im Jahne 1548 ־ gesehen, als damals der sogenannte geharnischte Reichstag in unserer Stadt gehalten wurde; :auch erinnere ich mich noch des ärgert liehen Streichs, der dem alten Erbmarschall von Pappenheim mit diesem‘ reichen Michel begegnete. Der alte Herr, dessen Augen schon schwach waren, begegnete ihm eines Tages, ohne ihn zu erkennen, auf der Strasse und zog vor ihm nicht nur mit allergrösster Höflichkeit den Hut ab, sondern verbeugte sich auch vor ihm mit ganz besonderer Ehrerbietung als vor einem sehr hohen, angesehenen Herrn. Als ihm aber bemerkt wurde, dass es der reiche Michel sei, dem er seine Reverenz bewiesen, brach er voll Aerger über die dem Juden erzeigte Ehre in die Worte״ aus: Dass dich Gottes Element schände, alles, schelmische Juden")." —'-'-'-י.י-r— ־ ־. K. Voigt, Zwölf Briefe *über Sitten und sociales Fürstenleben au f den deutschen *Reichstagen, in Raumer’s Histor. Taschenbuch, 3. Folge, 2, Band, S. 279 ff

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