Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine scheinbar babylonische Beraita. - Eine saburäische Beraita
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2829132-2829262-2829266-2857623--05983-2857670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Analekten. Eine scheinbar babylonische Beraita. — Eine saburäische Beraita. Die Beraita, die allgemeine Benennung für Tosefta, Mechilta, Sifra, Sifri (vgl. Hodegetik in die Mischna 8. 312), gehört Palästina an; Babylon hat nur Emoraim und emoraitische Lehrsätze, keineswegs Beraitot—Meinungen der Tanai’m — aufzuweisen. Zwar hat manche Beraita ר' אבא (Berachot49, KetubotSl) und dieser ל' אבא ist nach R. Hai (Aruch v. לב) der babyl. emoraitische Lehrer לב• Allein לב reicht noch in die Tanaimperiode hinein und lebte in früheren Jahren in Palästina. Ein charakteristisches Zeichen früherer wie späterer paläst. Lehrer ist, dass sie griechisch verstehen; in Babylon hingegen war das griechische Idiom unbekannt, und es wurde mitunter für ein griechisches Wort eine aramäische Etymologie gesucht. So das bekannte פללבול ßovlrjv oder ßovlov [Gattin 36]). — Nun erklärt eine Beraita Baba Batra 135b י איזהו. דייתיקי כל שכתוב בה דא תהא למיקם ולהיות• Hier scheint das דייתיקי von א תהא למיקם" abgeleitet, und so fassen es ftaschbam z. St. und Bamham im Cornmentar zur Mischna das. auf. Aber לייתיקי ist ein echt griech. Wort, Slcc• und ganz in dem in der Beraita angegebenen Sinne ,,Testament" gebraucht, sowie wieder אסותיקי־ ganz dem griechischen vTtoQ'7}%r1 entspricht. Führt also die Beraita לייתיקי auf לא תל!א וכל zurück, so ist sie nicht paläst. sondern babyl. Ursprunges. Es liegt aber jedoch kein zwingendes Moment vor, mit Raschba.m und Bamham das לא תהא als etymologische Erklärung zu nehmen: es wird vielmehr in diesen Worten nur die Rechtsformel für. Testamente angegeben, sowie in dem darauf folgenden: ואיזה הוא מתנה כל שכתוב בה מהיום ולאהר מיתה : die Formel für Schenkungsurkunden. Bemerkenswerther ist folgende, ein saburäisches Gepräge tragende Beraita Menachot 103b: ,שאיל שאילל להעלה הלי יהולל בר עילאי מניין לאומר הרי עלי יוכו'. Das שאיל שאיל הלמעלה ist echt saburäisch, vgl. Schabbat 30: שאיל שאיל הלמעלה מר' תנחום, auch weisen manche andere Anzeichen auf spätere Abfassung, so das פתה ד יהורה וכו' ראש המדברים בכל מקום, welches in halachis ch en Beraitot nicht vorkommt» Diese Beraita scheint also von den Saburäern redigirt.