Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Correspondenz. Gibralter, den 12. Juli 1860.
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 3)
- Language
- German
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Correspondenz. 297 reich an maurischen Kunstdenkmälern sind, von da nach Cadiz, denn ich gehe anderen, lebenden Denkmälern nach, die Geist und Herz in sich tragen, und wieder zum Leben erstehen wollen. So ging ich nach Tanger, wo bei meiner Ankunst die ganze jüdische Bevölkerung, etwa 4000 an der Zahl, mit dem Rabbiner, mich beim Ausschiffen erwarteten. Der französische, englische und spanische Minister, Mr. de Castellon, Sir D. Hay und Merry, übcrbotcn sich wechselseitig, um von Muley Abbas, dem Bruder des Kaisers, der wegen des Beyram nach der Stadt gekommen, Alles, was möglich war, zu erhalten. Der französische Minister, in Uebereinstimmung mit mir, redigirte folgende Punkte, die unmittelbar dem Kaiser nach Fez geschickt wurden: 1) Nach Abzug der spanischen Truppen aus Tetuan erhält der neue Pascha Befehle, um keine Untersuchungen über Vergangenheit anzustellen (die Juden befürchteten dies). 2) Die Statt- Halter der Provinzen erhalten Befehle, die Juden im Innern mit Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu behandeln. Da die Geschäftsträger von nun an jeder 3 Monate beim Kaiser zubringen wird, so werden diese Maßregeln überwacht werden. 3) Der Kaiser beschützt alle europäischen Unterrichtsanstaltcn. (Die Gemeinde Tanger hat gleich einen jährlichen Beitrag von 1000 Franken für europäische Schulen bestimmt.) 4) Zwei arme Juden, von denen der eine seit 15 Jahren, der andere seit 18 Monaten im Gefängniß zu Fez sitzen, wegen mehr oder minder religiöser Motive, werden, um mir gefällig zu sein, frcigclassen. . Der Bildungsstand der Juden ist wie bei uns die früheren חדרים, man lernt lesen, spanisch schreiben, auch hebräisch, Einige auch arabisch mit ähnlichen Charakteren, תנ״ך nebst גגון und דינים. — Talmud selbst lernen nur Wenige; im בית המדרש fand ich etwa 10 Personen, die lernen, aber auch nicht sehr stark sind. 5 Synazogen und eben so viele בתי דרדקי sind in Tanger; in Tetuan, wohin ich mich mit einer Eseorte zum Pascha über die Berge und sämmtliche Schlachtfelder der Spanier begab, fand ich 17 Synazogen, die בתי כורדים aber durch den Krieg etwas zerstört, etwelche große למדנים, doch alle bereit, von der europäischen Civilisation alles anzunehmen, was den Glauben nicht stört. Die spanischen Behörden sind ungemein günstig gestimmt; ich sah die spanischen, in den jüdischen Häusern einguartierten Soldaten helfen ׳מבת machen, die חמין Töpfe im Herde verbergen, sich lustig machen, wie die Juden spanisch sprechen. Die Offiziere erzählten mir, daß die Juden auch das Theater besuchen; der General fand eben bei sei-