Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 1)
- Language
- German
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Notizen. 283 N o t i z e n. Zu S. 443. Die öffentlichen Blätter brachten um die Mitte des < vor. Monats einen Erlaß des k. k. Ministeriums des Innern, wornach die Inden Böhmens bei Schließung der Ehe die Bewilligung des Kreisamts einzuholen haben und die seit Jahren ohne diese Bewilligung eingegangenen Ehen ungültig sind. Diese Rückkehr zu dem vormärzlichen Gesetze, das wie bekannt die Hemmung jüdischer Chen beabsichtigt, erregte allgemeine Entrüstung: ein'solcher Erlaß zu einer Zeit wo die Juden Oesterreichs in Italien für Oesterreich bluten, Eltern ihre Söhne, oft den einzigen Sohn, für das Vaterland hergeben, ist nicht nur ein gegen die Juden, sondern gegen die Menschheit ausgesprochener Hohn! —' Hierauf erklärte die Wiener Zeitung vom 28. Juni ckn einem längern Aufsatz: ״Ueber staatsbürgerliche Verhältnisse der Israeliten in Oesterreich", daß sowohl dieses Gerücht als das vor kurzem aufgetauchte, wornach den Juden Las Halten christlicher Dienstboten untersagt ist, jeder thatsächlichen Begründung entbehre, und schloß mit den Worten: ״Mögen die Israeliten Oesterreichs und ihre Glaubensgenoffen außerhalb des Kaiserstaates darüber beruhigt sein, daß die Regelung ihrer staatsbürgerlichen Verhältniffe, für welche bereits die nöthigen Vorarbeiten geschlossen sind, in nicht ferner Zeit und in jenem Geiste des Fortschritts und der Humanität erfolgen werde, welcher die Gesittung unseres Jahrhunderts kennzeichnet. Mögen sie insbesondere darüber beruhigt sein, daß die kaiserliche Regierung in dem Augenblicke, wo sie mit den Arbeiten zur definitiven Regelung dieser Angelegenheiten ernstlich beschäftigt ist, nicht mit einer Erneuerung oder gar einer Verschärfung veralteter, dieselben einseitig beschränkender Bestimmungen Vorgehen werde." Diese Versicherungen sind beschwichtigend, doch fühlen wir uns gedrungen im Namen der Wahrheit und des jahrelang tiefgekränkten Rechts den Wunsch auszusprechen, möge den Vorarbeiten die baldigste Schlußrcife folgen. Denn während hier für eine Regelung im Geiste des Fortschrittes und der Humanität vorgealbeitet wurde, wurde auf einem andern Gebiete im Geiste der Finsterniß und des Glaubenhaffes gearbeitet. Schweigen wir von dem in diesen letzten Jahren gegen den Juden geübten harten Druck: hat nicht das fast Unglaubliche sich ereignet, daß in der Residenzstadt Oesterreichs, unter den Augen der höchsten Behörden,