Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die portugiesischen Entdeckungen und Eroberungen in Beziehung zu den Juden
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 9)
- Language
- German
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Die portugiesischen Cutdeckungcn und Eroberungen n\ 441 Parteien mit Azambuja in Unterhandlungen einlaffen. Azambuja sann auf Mittel, die Stadt dem portugiesischen Seepter zu unterwerfen und griff v1 dem eben so nuedlcn als wirksamen — er streute, wie der Chronist sich ansdrückt, Unkraut zwischen die beiden sich einander bekriegenden Parteiführer und Tyrannen, erregte gegenseitiges Misstrauen und bemächtigte sich so der Stadt durch List. Gareia de Melo, Azambuja's Begleiter und Gefährte, lag im Lager krank danieder; ein jüdischer Arzt, der auch Zutritt zu den beiden streitenden Tyrannen batte, wurde zu ז bin ans der Stadt geholt. Diesen suchten die portugiesischen Feldherrn für ihren Zweck zu gewinnen, und der Jude liesi sich als Vermittler gebrauchen. Sie überredeten ihn, den beiden Führern Briefe in einer solchen Weise zu überbringen, das! der eine von dem Schreiben des andern nichts erführe. Beide wurden von der Lebensgefahr benachrichtigt, welche ihnen von ihren Gegnern bevorstebe, beiden wurde geratheu, sich den portugiesischen Fcldberru anznvertraucn, jedem Ciuzelnen die Versicherung gegeben, daß er als Vasall Manuels gemeinschaftlich mit dem von diesem ernannten Gouvcrneur die Herrschaft fuhren solle, Memand außer den in diesem ernsten Spiele handelnden Personen erfuhren von dieser strategischen Kunst. So oft nämlich der Arzt den immer kranken Melo besuchte, legte er die Hand unter die Bettdecke, als ob er seinem Patienten den Puls fühlen wollte, aber statt nach dem Puls griff er nach den in seiner Abwesenheit von Melo sabrieirten Briefen und entfernte sich schleunigst. Die Kriegslist gelang, Jeder der Führer ging in die gelegte Schlinge und Safi siel'st. Diese Art Städte zu erobern und Länder zu gewinnen stellt in der Geschichte nicht vereinzelt da, in jedem Kriege wiederholen sich ähnliche Fälle, und Portugiesen wie Franzosen, Deutsche und- Engländer machten sich kein Gewissen daraus, sich in KricgSzciten durch List und Schlauheit den Weg zu bahnen, List und Gewalt für Kriegskunst und Kriegsrecht gelten zu lassen. Wohl aber lassen sich nur wenige Beispiele anführcn, daß Juden, immer und allenthalben die-ihren Herrschern treueste» Unterthancn, sich dazu verstanden hätten, eS mit dem Feinde zu halten. Der jüdische Arzt hatte das Wohl seiner Mitbürger, seiner Brüder im 6) Dam. de Goes 1. c. 188; Osorius, 1. c. 139 a.