Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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366 Notizen.?Miflcnicurc unter dem Schutte begraben. Man zog sic mit vieler Anstrengung hervor und brachte sie in einem sehr traurigen Zustande nach dem benachbarten Dorfe. Der berbeigerufcnc Arzt erklärte, dast sie dem Tode nabe seien, und man liest einen Geistlichen kommen, dast er ihnen die lebte Weibe verabreiche. Allein cs fand sich, dast einer von ihnen Jude war, und der Geistliche, der ihn versöhnt batte, wustte, um sich aus der Verlegenheit zu ziehen, nichts Besseres zu tbun, als ihn zu taufen, ebe er zur Besinnung kam. — Der christliche Ingenieur starb, der Jude kam zu sich und genas. Als er. der verheiratbct und Vater mebrcrer Kinder ist, crsuhr, daß man ihn als er in bewusttlosein Zustande war, getauft, reclainirte er gegen diesen Act-, allein es scheint, dast ihm dessen Ungültigkeit nicht so leicht zugestanden werden wird. Er must einen Proccst gegen den Geistlichen, der ihn getauft, einlciten, und die Verwaltung der Eisenbau bat ihm einstweilen seine Stelle entzogen." Sollte wirklich ein solcher Vorfall sich in Des!erreich ereignet haben, ohne dast die Behörden gegen einen solchen Gewallstreich sich erhoben, und in ihm die empörendste Verletzung gegen das jedem Untertbanen vom Staate gewährleistete göttliche und menschliche Recht erblickten? Sollte der Jude in Oesterreich nicht ohne Sorge, dast der Fanatismus ihn bis in die letzte Stunde verfolge, sterben können, und sollte man dort nicht, wie die französische Note sagt ״die moralischen Folgen prüfen, welche in der Mitte des 1l>. Jahrhunderts eine solche Gutheißung nach sich ziehen würde?" Und die Eisenbahnverwaltung hat den Juden, in dessen geheiligtes Recht ein solcher Eingriff gcthan wurde, entfernt! Hält sic sich etwa zur Vollstreckerin fanatischer Maßregeln berufen? Wir zweifeln an der Wahrhaftigkeit dieses Berichts und wünschen zur Ehre Oesterreichs, dast bald von geeigneter Seite eine authentische Berichtigung erfolge.