Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension] / B-b
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 432 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Recensionen und Anzeigen. An der Spitze des diesjährigen Jahrbuches steht die biographische Skizze: Der Prophet Jeremias von Dr. Grätz. Der Vers, hat hier mit sicherem Blicke eine Persönlichkeit zum Gegenstände seiner Darstellung gewählt, die ihrer hohen religiösen und politischen Bedeutuug halber von Allen bisher bewundert, doch nur von Wenigen richtig erkannt wurde. Er entwirft in klaren Zügen ein Bild des damaligen trostlosen Zustandes allgemeiner Gcsunkenheit, gegen die der trefflich gezeichnete Charakter des gottcrfüllten, glaubensmuthigen Propheten in vollem Lichte strahlt. Herr Di׳. Grätz hat das Verdienst, eine Partie unserer nationalen Geschichte beleuchtet zu haben, die, trotz der klaren Quellen, bis jetzt einer genauen Darstellung entbehrte. — Von geschichtlichem Interesse sind noch zwei von Bärwald mitgetheilte Miscellen und ein Actenstück: Wienerisch Judenschaft, aus dem Jahre!624. Da das Jahrbuch zunächst nur für die Juden des österreichischen Kaiserstaatcs berechnet ist, so nehmen die ihren Verhältnissen gewidnieten statistischen Notizen einen verhältnißmäßig großen Raum ein, doch werden auch die socialen Zustände unserer'Glaubensgenossen in anderen Ländern — selbst im fernen Oceanien — mehr oder minder besprochen. Erfreulich ist die Wahrnehmung, daß während im Westen die Toleranz durch die humanen Gesinnungen der Regierungen gefördert, alle Hemmnisse und Borurtheile besiegt sind, auch in das Dunkel, das unsere Brüder im Osten umschloß, ein Lichtstrahl gefallen ist, der bald zur wohlthätigen Flamme der Aufklärung aufleuchten wird. Die Berichte aus Paris (von Dr. A. Cohn) und aus Amsterdam (von M. Grünbaum) bringen manche interessante Einzelheiten über das dortige Leben, und namentlich hat es Grünoaum verstanden, das Leben der Amsterdamer Juden von der Poetischen Seite aufzufassen uird anziehend darzustellen. Szauto's ,,Musterungen zur Charakteristik der Erzieherwelt", empfehlen sich sowohl durch Inhalt als durch Darstellung. Der Vers, verrätst scharfen Beobachtungsgeist und klaren Blick in unsere heutigen Zustände und deren Mängel. ״Die frommen Wünsche" von Hecht und die ״Anregungen" vom Herausgeber dürsten zum Thcil unausführbar sein. Ein Antiluxusvcrein und wandernde Prediger! Gehört doch heut zu Tage in den Augen Vieler ein Prediger selbst mit unter die Luxusartikel. Möchten vielmehr unsere Lehrer zu einem Grade von Bildung uird Intelligenz gefördert werden, der sie befähigte, in den kleineren Gemeinden nicht nur den Kinder», sondern auch den Eltern das Wort Gottes verkünden zu