Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Briefe aus Österreichisch-Italien
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefe aus Oesterreichisch-Jtalien. 393 Worte des Dichters: ״Wenn die Könige bauen., haben die Kärrner zu thun," haben jüngere Kräfte versucht, die Arbeiten dieser Männer der Jugend mundgerecht zu machen und es ist heute allgemein festgestellt, daß ein Hauptzweig des Religionsunterrichtes die Geschichte Israels sein müsse. Dein entgegen hörte ich oft die Ansicht aussprechen: die Geschichte der Juden seit nahe zweitausend Jahren ist eine Marter- und Leidensgeschichte unter den mannichfachsten Formen und Gestalten; wozu nun das jugendliche Gemüth mit allen diesen grauenhaften, verzerrten und verrenkten Gestalttn erfüllen? Diese besorgten Seelen gehen noch weiter und fragen, könnte die mannichfache wiederholte Darstellung der Geschichte der Juden nicht einen üblen Einfluß auf die Beschlüsse der Regierungen ausüben, indem diese den jetzigen Zustand der Inden im Verhältnisse zu dem vorangegangenen als einen sehr befriedigenden betrachten könnten. — Ego autem censeo, daß es nichts Ersprießlicheres für die Jugend gibt, als die Geschichte der Väter zu studiren. Da kann sie aus Actenstücken documentirt sehen, denen selbst Dunckcr u. A. die Authenticität nicht absprechen würden, welche Wunder Gott für sein Volk gewirkt hat; daß die Erhaltung dieses Volkes außerhalb den Naturgesetzen lag und nur eine göttliche Kraft dieselbe vor Untergang wehren konnte. Unsere alten Weisen zählen und rechnen nach, wie viele Wunder für die Israeliten in Egypten und am rothen Meere geschahen. Die Anzahl der Wunder jedoch, die im Mittelalter in's Leben gerufen wurden, sind unzählbar. Alle Bedingungen des Lebens waren für die Juden nicht vorhanden und doch lebten sie. Gerade unsere Zeit, die so nüchtern und ungläubig ist, gerade diese bedarf dieses Belehrungsmittels. Wenn man den alten Wundern nicht glauben will, so wird man den neuen Glauben beimessen. Eitel hingegen ist das Bedenken, daß die Regierungeil dadurch abgehalten werden könnten, dem Juden sein Recht zu gewähren. Die Zeit ist längst vorüber, wo wir Juden um Gnaden gebeten haben. Wir stehen heute für unser volles, gutes Recht ein. Unser Recht aber findet darin seine weitere und tiefere Begründung, daß man gegen uns Jahrhunderte und Jahrtausende Unrecht geübt hat. Die Geschichte will eine Sühne haben und in so lange diese Schuld nicht gesühnt ist, in so lange sind alle Redensarten von Humanität, Bildung u. s. w., deren unsere Zeit sich so gern rühmt, eitle Hirngespinnste. Ich erlaube mir übrigens, in einer Zeit, wo man den Juden