Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Don Pedro und sein Schatzmeister Samuel Lewi
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 5)
- Language
- German
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Don Pedro und sein Schatzmeister Samuel Lewi. 369 den frühen Tod seines Vaters auf den castilianischen Thron derufen, nicht um selbst zu regieren, sondern um seine schwache, auch in anderen Beziehungen sehr tadelnswerthe Mutter in Gemeinschast mit ihrem Minister Albuquerque schalten und walten zu sehen. Wenn man von einem Menschen sagen kann, daß sein ganzes Leben eine große Kette ist, in der sich Unglück an Unglück reiht, so ist dieses gewiß von Pedro zu behaupten. Er war kaum zunr König proclamirt, da machte sein Bruder Anstalten, sich einen Anhang, wo möglich gar die Krone zu verschaffen; er selbst war gefährlich krank, seine Mutter schwach, Albuquerque verhaßt, jede Ordnung war ans dem Reiche gewichen, und schon fühlten besonders die Juden das sich bildende, so verderbliche Parteiwesen: Plünderung war das allgemeine Signal, und wem flößte dieser Ruf, der beständige Widerhall des barbarischen Mittelalters, mehr Schrecken ein, als den Juden, auf deren Schätze es vornehmlich abgesehen war! Allgemeiner Jammer erscholl bei der Ermordrulg eines Parteiführers unter den Juden in Burgos, bei welcher Gelegenheit sich Pedro's Gesinnung gegen sie zum ersten Male kund gab. Von der die Juden treffenden Gefahr benachrichtigt, ließ er sofort die Judenstadt besetzen und schützte sie dadurch vor weiterer Plünderung. Deutlicher noch gab er seine wohlgemeinte Gesinnung gegen sie in der von ihm selbst 1351 eröffneten Cortes - Versammlung von Valladolid zu erkennen. Derartige ans den Repräsentanten der Geistlichkeit, der Granden und des Volkes zusammengesetzte Versammlungen, welche man füglich wohl mit den Kammersitzungen und Landstanden unserer Zeit vergleichen könnte, zeigen am allerbesten den herrschenden Zeitgeist. Wahrlich überraschend ist die religiöse Toleranz des damaligen Castiliens! Während man in dieser Zeit die Juden ans Frankreich vertrieb und im römischdeutschen Reiche ihre Häuser und Synagogen verbrannte, sie selbst verkaufte und verpfändete, trat man in genannter Cortes- Versammlung blos mit einer einzigen Klage gegen sie ans. Die Prälaten wollten nämlich nicht länger zngeben, daß die Juden an Sonn- und Feiertagen ans freier Straße — dieser Gebrauch findet sich noch heute bei den Handwerkern in Spanien — arbeiteten und setzten eine Strafe von 10 Maravadies auf die fernere Entweihung der Sonntagsseier 4). Nur von den Deputirten 4) Oortes de Valladolid, Ord. de Prelados, Art. 9.