Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 9
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Recensionen und Anzeigen. dichterische und wissenschaftliche Leben ihres Zeitalters einzusühren, lehnten sie sich absichtlich an fremde Muster und verpflanzten die Erzeugnisie der modernen Literaturen im Gewände der hebräischen Sprache auf das Gebiet des Judenthums. Seitdem ist jedoch jene Methode unbrauchbar geworden; die jüdische Wissenschaft hat sich von diesen geringen, aber für ihre Zeit wichtigen Anfängen zu einer erfreulichen Entwickelung sortbewegt und ist zu einer selbstständigen Wissenschaft erstarkt. Die Regsamkeit der letzten Jahrzehnte hat da manches Herrliche zu Tage gefördert; noch aber ist nicht Alles erledigt und die Wissenschaft, welche von Tag zu Tag an Umfang gewinnt, bedarf zu ihrem völligen Ausbaue vieler und eifriger Pfleger. Es kann daher nicht oft genug wiederholt werden, daß der im Dienste der jüdischen Wissenschaft stehende rüstige Arbeiter, so er abseits liegende Gebiete betritt und fremde Reiser ans den alten, kräftigen Stamm pfropft, damit einen unverzeihlichen Verrath an eben der Wissenschaft begeht, deren Pflege er sich hinzugeben vermeint.' Dieser Selbstcultus der Gelehrten, der sie verleitet, um jeden Preis Werke zu schreiben, deren Bestimmung ihnen selbst nicht klar ist, sollte endlich schwinden und einem uneigennützigen, objectiven Streben Platz machen! Was uns zu dieser allgemeinen Betrachtung veranlaßt, ist die hier zu besprechende hebräische Uebersetzung des Koran. Der Koran selbst hat Manches aus der jüdisch-midraschischen Literatur eingeschmuggelt und darf insofern nicht ganz unberücksichtigt bleiben. Daß aber die Uebertragung dieses an Verdrehungen des Gottes- Wortes so reichen Werkes in die Sprache des Gottesbuches eine unglückliche Idee oder besser eine Kraftverschwendung von Seiten des gewiß begabten Verfassers zu nennen ist, wird Niemand in Abrede stellen; denn wer den Koran zu wissenschaftlichen Zwecken ausbeuten will, wird stets das Original zur Hand nehmen müssen, und den gewöhnlichen Lesern stehen Uebersetzungen in lebenden Sprachen zu Gebote. Unserer Ansicht nach steht also diese Uebertragung nicht viel höher als eine Stylübung und hat für die Wissenschaft etwa denselben Werth, wie die bekannte lateinische Uebersetzung der Schiller'- schen Gedichte. Warum ging der Verfasser bei seiner Vertrautheit mit dem Koran nicht einen Schritt weiter, etwa zur Abfassung einer Monographie über den Einfluß der jüdischen Literatur auf dieses Werk und umgekehrt? Dies haben wir gegen die vollkommen verfehlte Tendenz des Unternehmens einzuwenden. Die Uebersetzung selbst können wir nur