Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Simon der Gerechte und seine Zeit
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Simon der Gerechte und seine Zeit. Ein eigenes Gefühl ergreift den Forscher der jüdischen Geschichte, wenn er die letzten Schriften der heiligen Geschichtsurkünden, -Esra und Nehemia, verläßt, und den Faden weiter verfolgen will in den Geschichtsbüchern - des Josephus — ein Gefühl der Verödung und Verlassenheit. Er hat sich bisher in einer reichen Welt bewegt, ein Gewimmel von Eigennamen hat ihn umrauscht, hervorragende Persönlichkeiten haben sein Interesse gefesselt, und mit einem Male wird es ganz still davon, er hört nur noch einzelne Schälle, er begegnet in einer langen Reihe von zwei Jahrhunderten nur hin und wieder vereinzelten Personen, die weder handelnd noch sprechend auftreien und sich nur durch die Namen von einander unterscheiden. Es ist als ob man sich plötzlich auseinem -tumultuarischen Volksgewühl in eine Haide versetzt fühlte, wo man nach langen Zwischenräumen auf ein lebendiges Wesen tzößt. Zu diesem Gefühle der Vereinsamunggeselltsich das der Dunkelheit; der Forscher tastet vergebens nach einem Anhaltspunkte,.von welchem aus er die lange Zeitreihe reconstruiren könnte.- Josephus läßt an uns in der Zeit nach Nehemia klanglos vorüberziehen -die Namen der Hohenpriester: Omas I., Simou den Gerechten, den fabelhaften Eleasar, einen Manasse, Onias II., durch seinen Geiz und seine Apathie ausgezeichnet, Simon II., Onias III., an dessen kaum geschlossenem Grabe sich der blutige Kamps um die Hohepriesterwürde entspann zwischen den ge? setzestreuen Nationalen und den - abtrünnigen Hellenisten. Erst von Simon II. an wird die Scene etwas Mehr belebt, ohne dadurch Heller zu werden. Und doch kann man sich schwer überreden lassen, daß dieser lange Zeitraum einer glatten Tafel gleichen soll, aus welcher nur einige Namen und bruchstückliche Ereignisse eingekerbt sind. Fällt Frankel, Monatsschrift. Vi. 2. 4