Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 9
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829192-2829202--03134-2854690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Necensionen und Anzeigen. 363 Kranze von Gedichten vereinigt. Es ist dem Verfasser gelungen, den b.ldsameri bagadischen Stoff. der seiner Natur nach eine größere Freiheit in der Wahl der Situationen, Bilder und Gleicbmffe dem poetischen Bearbeiter verstauet, in entsprechende Formen zu kleiden, den abstracten Gedankeil im schönen (Gewände gleichsam verkörpert erscheinen zu lassen. Mit voller der Pb an taste bat er sich des naiven, anspruchslosen und doch inbaltsebweren Sagenstoffes bemächtigt, und ihn zu anmuthigen, lebensvollen Bildern gestaltet. Wir nennen bier nur die Gedichte ״der Segen", ״Rabbi Iizchak der Schmidt", ״der irdene Topf". Minder glücklich ist der Verfasser gewesen, wo es daraus ankam, eine furj und bestimmt gefaßte Moralsentenz pracis wiederzugebcn. Sinnsprüche, denen schon an sich nicht mehr eine reinpoetische Idee zu Gründe liegt, sind durch ibre bart an die Prosa streifende didaktische Tendenz nur für eine gedrängte Fassung geeignet, und eben dieses tendenziösen Ebarakters halber nur durch sinnvolle Kürze und cpigrannnatische Scharfe wirksam. (S$ sind bier manche kernhaste Sprüche talmudischer Sitten- und Weisbeitslehren durch zu breite Ausführung und unnöthige Seencriruug abgeschwacht. Dies ist z. B. der Fall in den Gedichten ״der rechte Pfad", ״Linen Tag vor deinem Tode". ׳ Der den Reiz der Darstellung erhöhende Neichthum der Bilder und die bunte Farbenpracht der Gleichnisse ist im Allgemeinen der Situation entsprechend. Mitunter jedoch gehen dieselben fcurd) unrichtige Vorstellungen oder zu grelles Ausmalen in'S Karrikirte über; so in dem Gedichte ״Hillel" S. 66: ״Wird der Geist, nach Weisheit lechzend. Durch der Armulh Schwert verbluten?" und ״Ein Arcauum" S. 17: ,?Wie vor Hoffnung sie erbleichen." Die Sprache ist gewählt und rein, doch in manchen Wortformen nicht ganz frei von Harten. Kunstvoll aber sowohl durch rhythmischen Fluß als metrische Abrundung ist der Versbau. Schön und voll Grazie bewegt sich die Darstellung zum größten Tbeil in dem Versmaße des Romanzero, fccm passendsten für solche sagen- und legendenartigen Stoffe. Wir können daher einem Jeden, der sich an den Früchten talmudischer Weisheit in der buntfarbigen BLüthenhülle der Allegorie erfreuen will, dies Werk als geist- und gemütherhebend empfehlen. 20.