Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Über jüdische Gelehrsamkeit und Literatur in den Niederlanden
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 293 (sequence 9)
- Language
- German
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in den Niederlanden. 293 Jahre früher in Franneker oder Groningen. Der angedeutete Gelehrte, dessen Aufenthalt hier jedoch für seine Glaubensgenosse» größeres Gewicht hatte, war der in hebräischer Sprache und Li» teratur berühmte Hartwig Wesseln, der nebst den! gelehrten MoseS Mendelssohn als der philosophische Reformator des JndenthnmS in jenem Jahrhundert genannt wird. Sein Ilrgroßvater war ein polnischer Jude, dieser ließ sich in der Mitte des 17. Jakrhnndertö i» Amsterdam nieder, wo er unter de» portugiesischen sowohl wie unter den hochdentschen Inden großes Ansehen erlangte, und selbst mit tbätig war zur Stiftung der großen Synagoge zwischen den I. 1671 und 75. Der Gutes hieß Behrcnd und zeichnete sich aus als königlich dänischer Agent zu Hamburg. Sein Sohn, unser Hartwig, war in der soeben genannten Stadt im I. 1725 geboren. Schon früh stndirte er sehr fleißig und verstand außer dem Hebräischen, worin er unter allen Inden seiner Zeit zur größten Kenntniß und Fertigkeit gelangte, auch noch Hochdeutsch, Französisch, trieb Mathematik nnd Phvsik, Geschichte und Geographie, und ragte weit über die Israeliten seiner Zeit hervor. In Amsterdam wurde er etwas später Buchhalter, nnd benutzte die Zeit, die ihm von seinem Berufe übrig blieb, zum Schreiben von Werken über hebräische und rabbinische Literatur. Das erste Werk, das er bearbeitete, erschien unter dem Titel ״die Sprüche der Väter", eine Erklärung nnd Beleuchtung der rabbinische» Sprüche'). Ein zweites Werk handelte über hebräische Synoni» men; cs wird für ein Werk von vielem Werlhe für Sprachkenntniß und Eregese gehalten. Wessel!׳ gehörte zur hochdentschen Gemeinde, war jedoch auch bei den Portugiese» in großem Ansehen und sehr geschätzt. Seine späteren Arbeiten hatten alle Beziehung zu Deutschland, wo er den übrigen Theil seines Lebens verlebte. Er stehet da als ein hohes Merkmal der steigenden Bedeutung der hochdeutsche» Gemeinde, deren Mitglied er während des 18. Iahrh. war, in welchem andere Gemeinden der Amsterdamer Juden nicht ei» derartiges Werk geliefert habe». Auch in unserer Zeit haben zwei gelehrte Israeliten der hochdeutschen Gemeinde einen löblichen Eifer für die Kenntnrß ihrer vorväterlichen Sprache gezeigt, durch die'Abfassung eines nützlichen hebräisch-niederdeutschen I> Die Weiß, wie der Verfasser kiese Schrift »ruMhnt, ist unrichtig unk zeigt Mangel an Kenntnis). Man vergleiche übrigens die hier gegebenen biographischen Angaben mit Wessely'» Vorrede zn גן נעול. — n—