Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Szenen aus dem Jahre 1096
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 2)
- Language
- German
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168 <£concn סווג dem Jaljvc 1096, 6) eschicht e. Ei» cht^i^cr Fade», sich dehnend durch die ewig flüchtige und dennoch ewig dauernde Gegenwart, verbindet das graue Dunkel der Vergangenheit mit dem dunklen Gran der Zukunft, und der Sobn der Zeit, der Mensch, kann durch das vergangene das Gegenwärtige v erste den lernen und hierdurch das Mittel erlangen, das Günstige vorznberciten, zu bilden, zu gcstaltcn. — - freilich ist es aber nicht immer möglich, und noch weniger immer gleichmäsiig leicht, den entlegenen Ursprung der Sage zu entbüllen, die innere Kehrseite ihrer allerersten Entstellung mit »nfeblbarer Objeetivitäk nach ansten zu wenden und dem prüfenden Auge des Lesers als erschöpfte und begrenzte Tbatsache darznstellen; den» wer vermag dichte Nebel zu durchdringen, wenn der gütige Sonnenstrahl: ״die geschichtliche Spur" fehlt, die zum Mittelpunkt der Sage führen könnte? Aber eben deshalb habe man es um so dankbarer lunzuneluneu, wenn eine freundliche Hand die Mühe nicht schenke, irgend eine, wenn auch nur flüchtige und dem Auge fast entschlüpfende. Spur hinznwcrfen, eine Spur, die dem später» Sucher ein ״Halt!" zürnst, ibm einen Wink gibt tiefer zu dringen und weiter zu suchen, ans das; er vielleicht zu einem nicht gänzlich unbelobnenden Zünde gelange. - Lolche Spuren, die uns zur Darstellung zweier Seenen aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Worms, aus dem ersten Jahre des ersten Krenzzuges verhelfen, verdanken wir einer Hand, welcher längst der Griffel entfallen und wobei es unbekannt ist, iver den (Griffet geführt hat. Was lhut cs auch? Die Hand ist in Asche zerfallen, das gesprochene Wort ist verhallt, doch das geschriebene oder in Stein gegrabene Wort ist geblieben; die Gefühle erflehen bei seinem tlescu von Neuem, die Empflndungen erwachen, und wir folgen gern dem!linse längst vergangener Zeiten, da er ja die Gegenwart zum bessern Verständnis; bringen und für die Bitdüng der Zukunft uns verhelfen kann. Wenn der Vescr noch vor wenigen Jahren den hiesigen Fried- Hof besucht und längst der Südseite bis zur Westspitze desselben sich begeben hätte, so wäre ihm sicherlich ein in der Südinauer besiudlicher Stein entgangen, wenn nicht ein kundiger Führer seine Aufmerksamkeit auf denselben gezogen hatte; denn Gestrüppe umrankte mit hartnäckiger Zudringlichkeit die schwarzgewordene Leite der innern Mauerwand, uud als wollte die rastlose Natur auch hier die trübe Einförmigkeit unterbrechen, besetzte sie mit einigen Wachholdersträuchen jenen Ort vor der Mauer, die aber nur dazu