Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Notizen. 77 Ausruf ergehen, der Versammlung bcizuwohnen und das Reich Gottes »nt fördern zu Helsen. Herr Dreifuß hatte in einer frühem Nummer (8) schlagend nachgewiesen, daß das Judenthum an solchen Confercnzcn sich nicht betheiligen könne. Herr Werth erzählt nun, wie er nebst einigen andern Juden mehr aus Neugierde der aus den 30. August angekündigten Sitzung, die eine Verhandlung ״über das jüdische Volk" zum Thema l>atte, beigewohnt, wie ihn aber die dort gehaltenen Vorträge entzückt, die sich zum alleinigen Ziele setzten, das an den Juden in alter Zeit begangene und noch in neuer Zeit geübte Unrecht zu geißeln, und nachwiescn, daß die Gnade Gottes sich nicht über die Jude» ergießen könne, die Jene als Barbaren und Götzendiener betrachten müssen, deren Handlungen so wenig mit den Gesetzen der Liebe und der Menschlichkeit, die sie im Namen des Evangeliums im Munde tragen, in Uebcrcinstimmung zu bringen sind'). — Ein Herr Bonifas- Guizot, Professor des Hebräischen zu Montauban, theilte mit, daß bei tiefcrm Studium der Schrift er sich überzeugt habe, viele Prophezeiungcn seien »och nicht in Erfüllung gegangen und die sowohl zeitliche als geistige Wiederherstellung Jerusalems werde von den Juden bemerkstclligt werden: bis dieser Zeitpunkt hcrangekommen, seien die Juden mit Liebe zu behandeln u. dgl. m. Herr Werth findet nicht Ausdrücke für seine freudigen Gefühle und meint dieses besseren Federn überlassen zu müssen. Man kann nur mitleidig die Bonhomic des Mannes belächeln, der diese neue Art der Versuche der Judenbekchrungcn nicht durchschauet. Das Bekcnntncß des begangenen und des sich stets erneuernden Unrechts macht diesen Herren Ehre: nur mögen sie nicht das noch größere Unrecht daran knüpfen: dem Juden durch herzgewinnende Worte sein heiligstes Gut, seinen Glauben, abgcwinncn zu wollen. •— Wir verweisen übrigens auf die treffenden Nachbemerkungen des Herrn Rabbiner Dreysuß zu dem Schreiben des Herrn Werth. E n t g e g n u n g. Der Versuch des Herrn vr. Zuckcrmann (vor. Heft S. 27 ff.), die von mir im 3. Theile des Det ha-Midrasch erläuterte Soharstelle I) Wie bekannt schon Worte des h. Bernhard von Clairvaux; und im Munde eines Geistlichen des 12. Jahrh. und zur Zeit einer Judenverfolgung, wohl bewundernswerther als im Munde eines Geistlichen unserer Tage. D. Red.