Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Aus den Vereinigten Staaten
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 5)
- Language
- German
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Aus den Vereinigten Staaten. 299 terson weniger um die Anerkennung Judah Touro's als um Blosstellung irgend eines Gegners zu thun ist? und dazu ge- oder richtiger mißbraucht man die Geschichte! Wir wenden uns mit Widerwillen von solchem Treiben, und wollen nun zum Schluß noch das für die Geschichte der Juden in America hieraus Resultirende zusammenstellen. Zur früheren geistigen und materiellen Entwickelung der Stadt Newport haben die Juden, wie allgemein anerkannt wird, bedeutend beigetragen. Sie gehörten auch mit zu den frühesten Einwohnern: spätestens zwanzig Jahre nach Begründung der Stadt, 1658, sind schon Juden da, die eine Freimaurerloge bilden. Somit kann man auch auf eine mehrjährige, frühere Ankunft schließen. Verfolgte, mittellose Ein- Wanderer werden wahrlich nicht zum Beginn daran denken, den Maurerorden einzuführen. Auch die Angabe, daß die ersten Juden von Curassao nach New- Port gekommen, muß, Wenn sich nicht anderweitige Beweise darüber vorfinden, bezweifelt werden. Um ״Zuflucht gegen Druck und Verfolgung auf dieser Insel im Meere zu finden", wie Roß und Peterson so emphatisch hervorheben, brauchten die Juden keine Besitzung der Holländer, die sie weder drückten noch verfolgten, zu verlassen. Eher ist wohl anzunehmen, daß diese Ankömmlinge Flüchtlinge aus Brasilien waren, das die Portugiesen im Jahre 1654 den Holländern abgenommen und die Juden sofort vertrieben hatten. Dadurch wäre sowohl die baldige Bildung der Loge, wie auch die schlechten Bermögensverhältnisse der Flüchtlinge erklärlich. Irre ich nicht, so habe ich den Namen Campanelli unter den mit Aguilar nach Brasilien gezogenen Juden gesunden. Auch Juden deutscher und polnischer Abkunft scheinen schon bei den ersten Einwanderern gewesen zu sein; die so früh vorkommenden Namen Moravia und Pollock lassen es vermuthen; sie hielten sich jedoch wahrscheinlich wie die Mehrzahl ganz zu dem sesardischen Ritus. Es ist wenigstens gar keine Spur vorhanden, die das Gegentheil vermuthen ließe. Schon Bischof Berkeley schreibt in einem Briefe kurz nach seiner Ankunft in Newport im Januar 1729: ״Die Einwohner sind sehr gemischter Art, bestehend aus vielen Secten und Unterabtheilungen derselben. — Trotz so vieler Differenzen ist hier weniger Streit wie anderswo wegen Religion, und lebt jeder in Frieden mit seinem Nachbar, welcher Ueberzeugung derselbe auch angehören mag. Alle aber vereinigen sich in dem einen Punkt: die englische Kirche für die zweitbeste zu halten," — Wahrscheinlich enthielten die Briefe des Bischofs Berkeley — es ist der berühmte Idealist, von dem sein Freund Pope rühmt, er besäße