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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 4 · p. Seite 142

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 4
Article
Aus London
Date
1855-01-01
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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142 Aus London. Zu Oxford war -urkundlich die erste Synagoge, dochauch zu London war eine bald nach dieser Zeit; die Judengaffen erstreckten sich nach zwei Seiten, deren eine jetzt den Namen Gresham Street, die andere östliche den Namen Old Jewry führt. Die Synagoge soll in dem nordwestlichen Ende der Old Zewry gestanden haben. Die Juden erfreuetcn sich unter den drei erste« uormännischeu Königen großer Gunst und legten unbezweifelt in dieser Zeit den Grund zu ihrem darauf folgenden Wohlstand. — In Red Craß Street war ihnen ein Platz angewiesen ihre Tobten zu begraben. Dieser verblieb ihnen bis zum I. 1178, dem 24. Regierungsjahre Heinrich II. Auch die gegenwärtige Jawiu Street war ihnen zu diesem Zwecke gestattet. — Während der ersten Regicrungszeit des Königs Johann (ohne Land) scheinen sie die Gunst dieses Fürsten besessen zu haben; sie erhielten die Erlaubuiß einen Hohepriester (!) für England zu ernennen, und diese Ernennung wurde durch einen königlichen Gnadenbrief bestätigt. Doch bald erlitten sie manche Verfolgungen und sic wurden endlich im Jahre 1291 aus dem Laude verbannt. Nach 357 Jahren der Vertreibung richtete Menasse ben Israel zu Amsterdam, ein Rabbiner von großer Gelehrsamkeit, im Namen seiner Brüder ein Bittgesuch an den Protektor Cromwell, und bot für die Wiedcrgewährung der Privilegien die Summe von 50,000 Pf. an; zugleich sollte ihnen auch die Bodleianische Bibliothek, ferner die Paulskirche zu einer Synagoge überlassen werden^). Das Parlament verlangte jedoch 80,000 Pf, und' so wurden die Unterhandlungen abgebrochen. Die Juden lebten hierauf heimlich in Eng« land, doch besaßen sie weder eine ״Jewry", noch bildeten sic eine organisirte Gemeinde. Endlich erhielten sie Crlaubniß zurückzukehren; der Staat verweigerte zwar eine formelle Gestattung der Wiederkehr, billigte sie aber schweigend. — Da die meisten Ansäßlinge portugiesische Juden waren, so wurde zuerst die portugiesische Synagoge — King Street, Duke's Place — im I. 1656 errichtet; auch gründeten sie im I. 1664 4) Zeigte sich .der Vers, des obigen Artikels schon bis hierher schlecht in der Geschichte der Juden Englands bewandert, so grenzt hier sein Referat an Unsinn. Die Juden, die die Erlaubniß zur Rückkehr erbitten wollen, sollen das Verlangen ausgesprochen haben, daß man ihnen die Paulskirche zu einer Synagoge cinräume.' Da der Artikel in sehr mildem anerkennendem Geiste geschrieben ist, so liegt hier durchaus nicht eine böse Abflcht, sondern nur eine ungemeine Oberflächlichkeit zu Grunde. Wird doch weiter erzählt, das Parlament sei bereit gewesen, für 80,000 Pf. die Bodleiana und die Paulskirche einzuräumen! — Jedem gebildeten Leser ist übrigens aus Menasse ben Israels Schriften und aus anderen Berichten der eigentliche Hergang dieser Verhandlungen bekannt.

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