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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1854-01-01 · Heft 6 · p. Seite 214

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1854)
Issue
Heft 6
Article
Die Israeliten von Laghouat
Date
1854-01-01
Page
Seite 214 (sequence 10)
Language
German
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214 Die Israeliten von Laghouat. Auf ütf.'ä Befragen forderte!)!. Wahn seine Tochter Noemia auf, ihr traurige» Schicksal seihst;u erzählen. ״AlleS erhob sich als sie näher trat, um dem Pater die Hände zu küssen, denn alle ihre Glaubensgenossen liebten und achteten sie wegen ihrer Frömmigkeit. Güte und Kenntnis; der heil. Schrift. Sie setzte sich neben ihren Pater und lies; sich also vernehmen: ״Seit langer Zeit ist es geschrieben, das; (5l-Lagho»at in die Gewalt eines fremden Polles fallen werde! Adonai verleiht die Prophetcngabe zuweilen auch Männern außerhalb Israel, wie einst au Bileam. So verkündete schon vor 130 Jahren ein arabischer Marabut den Fall dieser Stadls. Hätten wir unsere Frömmigkeit verdoppelt, hätten ivir hänsig gebetet und gefastet um den Zorn Adonai's zu besänftigen, so wären vielleicht unsre Häuser nicht in Trümmer gefallen, noch unsre heiligen Bücher vernichtet worden und Noemia wäre nicht die unglücklichste der Frauen!" Nach diesem Ausrufe hielt Noemia inne, um ihren Thräneu Lauf zu lassen. Sie fuhr dann fort, das; die Israeliten von Laghouat unter der arabischen Herrschaft zwar nicht glücklich gewesen seien, doch in!)!»he lebend und keinein Angriff ausgesetzt im Stande waren, ihre» Gultus auszuüben und durch Arbeit ihr Brod zu verdienen. Als aber die Franzosen im siebenten Monate M. einige Tage vor dem Chanukafeste, durch das östliche Stadtthor, in dessen Nähe fast alle Juden wohnen, eindrangen, da wurden Letztere zuerst von der Wuth der grimmigen Krieger betroffen. Die Israeliten, waffenlos und denn von den Arabern geführten Kriege, fremd, hatten gehofft von den Franzosen verschont zu bleiben. Allein drei Frauen wurden vcrstüinmelt, getödtet und ihrer Geschmeide beraubt. Mehrere Männer unterlagen, Andere entflohen mit ihren Familien zu den benachbarten Stämmen. Unter den Dpferu hatte Noemia ihren Gatten Jonathan erkannt, mit dem sic erst seil kaum einem Jahre verehelicht war und den sie wie ihren Augapfel liebte. Jonathan war der Schönste unter den Israeliten in Laghouat, der geschickteste Arbeiter, zugleich ein fronnner Manu und ausgezeichneter Talmudist. Beim Anblick des den Wunden Jonathans entströmenden Blutes hatte sich 5) A. des Originals. Diese Prophezeihung. welche seit Zähren von Mund zu Mund ging, ist allen Eingebornen LaghouatS bekannt. —

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