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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 4 · p. Seite 158

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 4
Article
Denkschrift für künftige Jahrhunderte.
Date
1853-01-01
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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158 besahen sich die Stadt. Zufälliger Weise sahen sie, wie man geschlachtetes Geflügel ins Haus meines Großvaters ׳trug und ihre Aufmerksamkeit wurde rege durch das Abzeichen mit hebräischen Buchstaben, welches daran geheftet war. Als sie nachher mit ihrem Gastwirth im Gebrach waren erfuhren sie, daß in Emdcil nicht nur Jstd'en׳wohnen-׳-sondern ihrem Gläuhen!öffentlich ^bekennen und auch ,Hebräische Aufschriften über ihre Wohnungen setzen dürfen. Am nächsten Morgen begaben sich zwei dieser Reisenden in die ^Behausung ׳meines Großvaters; sie redeten, ihn in spanischer Sprache an, welche er aber nicht verstand. Er trug daher seinem Sohne Aaron (meinem seligen Water) auf, mit ihnen zu sprechen. Die Fremden wünschten dieses im Werborgenen zu rhun, begaben sich in ein abgesondertes Zimmer und erklärten meinem Vater,'daß sie Juden und mit zwei Schiffen aus Spanien entflohen seien; daß sie noch acht andere Reisegefährten und vier. Kinder mit sich haben und daß sie ,wünschten sich beschneiden zu lasten und zu ihrem.. väterlichen Glauben zurückzukehren. Mein Vater machte Schwierigkeit einen solchen Act in feinem Wohnorte vorzunehmen; gab ihnen aber zu verstehen, daß sie sich nach Amsterdam begeben müßten, wo sie einstweilen in einem gewissen Hause in der Nähe des Montaubansthurm wohnen könnten, und daß mein Vater sich innerhalb zwei bis drei Wochen dorthin begeben würde. Sie befolgten diesen Rath und reiseten nach Amsterdam,, fanden daselbst das Haus, welches er ihnen bezeichnet hatte in der Junkerstraße dem. benannten Lhurme gegenüber, den die portugiesischen Juden noch jetzt .den ÄäronsLhurm nennen. Mein Großvater und mein seliger Vater folgten ihnen nach Amsterdam. Die Fremden wären über ihren Besuch sehr,erfreut; die bezweckte förmliche Aufnahme in den jüdischen Bund fand nun auch statt und ward durch die Beschnerdung besiegelt. Die neu aufgenommenen Juden mietheten eine Wohnung, wo-sie ihre Gebete und gottesdienstliche Uebung mit großer Andacht verrichteten. Es waren aber kaum einige Wochen verflossen, so begaben sich ihre christlichen Nachbarn zu der Stadtobrigkeit mit der Anzeige, es seien Leute aus Spanien hierher gekommen um hier zu wohnen, diese hätten sich von fremden Juden beschneiden lassen und hielten Gottesdienstversammlungen im - Geheimen. Auf diese Nachricht gaben hie Bürgermeister Befehl meinen Großvater und meinen Water gefänglich 'einzuzlehen, was auch sogleich ׳ geschah. Nach Verlauf von, einigen Lagen wurden die Gefangenen vor die Bürgermeister gebracht und befragt, wer ihnen die Erlaubniß gegeben hätte, eine neue Kirche und jüdischen Gottesdienst am hiesigen Orte zu stiften und die aus Spanien angelangten Fremden zu beschneiden?, indem sie ihnen bedeuteten , daß sie laut der Gesetze die Todesstrafe verdienten. Mein Großvater und Vater antworteten ungefahr wie folgt: ״Es ist der Wahrheit gemäß, daß wir gethan, was man uns zur Last legt, dieses geschah aber im Vortheile Amsterdams, indem diese Stadt vermittelst dieser Fremden in den Besitz des ausgebreitesten Seehandels-kommen könnte; wir hätten diese Leute leicht nach andern Orten führen können, wo ihnen die unbeschränkteste Freiheit gelassen wäre; wir haben das aber nicht gethan ausDorliebe zu dieser Stadt. Es haben nämlich, die aus Spanien kommenden Fremden große Schätze mit sich gebracht; wenn es demnach der Obrigkeit gefällig wäre ihnen freie Wohnung Hierselbst zu erlauben, 'so könnten -wir den Herren Bürgermeistern die Versicherung geben, daß innerhalb, eines

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