Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherschau 95 Franz Oppenheimer, Erlebtes, Erstrebtes, Erreichtes. Heine-Bund, Berlin, 259 S. Die sehr frisch und anschaulich geschriebenen Erinnerungen sind nicht nur als Zeitbild und Lebensbild sowie durch die Darstellung der volkswirtschaftlichen Anschauung des Verfassers wertvoll, sondern auch durch die Schilderung seines Verhältnisses zum Judentum. Weder religiös noch national gebunden, zeigt sich Oppenheimer durch die vererbte Anlage wie durch die Lage der jüdischen Gemeinschaft bestimmt. Insbesondere ist die Schilderungseiner Beziehung zum Zionismus (S. 212 ff.) von Wert. Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, zweite, völlig neu bearbeitete Auflage in Verbindung mit Alfred Bertholet, Hermann Faber und Horst Stephan herausgegeben von Hermann Gunkel und Leopold Zscharnack, Tübingen 1931, Verlag von J. G. B. Mohr (Paul Siebeck), Lieferung 110 ff. (Vergeltung bis Zwingli). Die neuen Lieferungen scheinen nach knapperer Fassung zu streben; immerhin ist z. B. der völkischen Bewegung eine ausführliche, auch für jüdische Leser recht belehrende Behandlung gewidmet. Die Bei־, träge zum Alten Testament sind durchweg sachkundig; wenn nach Sp. 1798 Weinopfer im A. T. nicht erwähnt sein sollen, so stellt solche Unkenntnis eine Ausnahme dar. An Einseitigkeiten fehlt es allerdings nicht; wenn bei der Behandlung der Wahrhaftigkeit die Kritik der Bibel an Jakob ebenso übergangen wird wie die häufigen Mahnungen zur Wahrheitsliebe und der offenbare Abscheu, mit dem שקר betont wird, so berührt es seltsam, wenn sich ein Gelehrter von so eingeschränkter ״Wahrhaftigkeit“ als Kritiker altbiblischer Ethik aufspielt. Dem nachbiblischen Judentum sind Beiträge jüdischer Gelehrter über Versöhnung, Wohlfahrtspflege und Zionismus gewidmet; dagegen wäre die Behandlung des Wunders und der Willensfreiheit im nachbiblischen jüdischen Denken auch wohl für Nichtjuden lehrreich gewesen. Beim Schlagwort ,,Welt“ hätte doch wohl auf die weltanschaulich so lehrreichen Fassungen dieses Begriffes in den verschiedenen Kulturen (zoojiloc;, LoO, frou werlde) hingewiesen werden können; bei ,,Weisheit“ und ,,Weisheit. Salomos“ vermisse ich den Hinweis auf Leisegangs Artikel Sophia in der Krollschen Realenzyklopädie. Wer die früheren Lieferungen aus dauernder Benutzung kennt, wird trotz der Ausstellungen, die wir als Juden nicht selten zu machen hatten, die Herausgeber zu ihrem Werke beglückwünschen können und nur hoffen, daß das Sachregister, welches in einem Ergänzungsbande beigegeben werden soll, die Brauchbarkeit noch erhöht. Vielleicht kommen hier auch manche Namen jüdischer Gelehrter zur Geltung, die keinen besonderen Beitrag gefunden haben; denn wie man auch über die Auswahl denken mag, Namen wie Moses Gaster und Michael Guttmann hätten in einem für christliche Theologen bestimmten Sach- Wörterbuch nicht fehlen dürfen. Erich Stern, Religiöse Entwurzelung und Neurose, Philo-Verlag, G. m. b. H., Berlin 1931, 31 S. (Morgenreihe, 12. Schrift). M. 1.20. Der Verfasser ist Fachmann auf philosophischem wie •auf medi-