Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 2)
- Language
- German
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77 müssen, macht sich bei philosophiegeschichtlichen Untersuchungen anscheinend an keiner Stelle nachteilig geltend. Wieviel aus einem solchen Werke zu lernen ist, mag auch dem Fernerstehenden an einigen Beispielen verdeutlicht werden, Claude Montefiore, The Old Testament and After, 1923, 500 hatte es bezeichnend gefunden, daß Philon für die Gesinnung des Menschen zu Gott den Ausdruck Liebe gebrauche, aber anscheinend nicht für die Gesinnung Gottes zum Menschen. So verdienstlich die Beachtung solcher Unterschiede ist, so zeigt doch der Index, daß 9eo<ptX7j<; gottgeliebt bei Philon nicht seltener ist als cpiXofteo(; gottliebend. Die Beobachtung Mewaidts (Die Antike II, 137), daß der Begriff des Kosmopoliten, der aus dem Kynismus stammt, aber in der heidnischen Antike nicht sehr häufig ist, bei Philon oft vorkommt, läßt sich jetzt leicht belegen; Gleiches gilt von dem Begriff der Philanthropie, mit dem Philon die Nächstenliebe sehr gern, aber sehr einseitig bezeichnet, im Gegensatz zum Neuen Testament, dessen Sprachgebrauch stärker durch die hebräische Denk- und Redeweise bestimmt ist (Heinemann, Der Morgen VI, 126 f.). Der Dank, den wir dem Verfasser (und nach ihm den Förderern) des Werkes nach dem Erscheinen der ersten Hälfte gewidmet haben, und der Wunsch, daß es Registerbänden zu anderen jüdischen Denkern als Muster dienen möge, kann jetzt in erhöhtem Maße ausgesprochen werden. I. Heinemann. Gustaf Dalman: Die Worte Jesu mit Berücksichtigung des nach־ kanonischen jüdischen Schrifttums und der aramäischen Sprache erörtert, Band I: Einleitung und wichtige Begriffe. Zweite Auflage. X, 410 S. Leipzig, J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, 1930. Schon im Hinblick auf die erste Auflage des vorliegenden Werkes schrieb Rezensent vor 28 Jahren1: ,,Es ist mir eine besondere Freude, hier auf einen christlichen Gelehrten hinweisen zu können, der seit einem Vierteljahrhundert die sprachliche wie inhaltliche Erforschung der rabbinischen Literatur sich zur Aufgabe gemacht und in wertvollen Werken gefördert hat, ich meine Dalman, der unter ausdrücklicher Betonung seines positiv-christlichen Standpunktes über den Dilettantismus klagt, mit dem die meisten christlichen Gelehrten dem rabbinischen Judentum gegenüberstehen, und auf Unkenntnis fußende Urteile über dasselbe zurückweist.“ So freut es mich heute doppelt, den trotz seiner Jahre noch in voller Schaffenskraft stehenden hochverdienten Forscher zum Erscheinen der zweiten Auflage beglückwünschen zu können. Dalmans nun schon durch ein halbes Jahrhundert fortgesetzte Spezial- Studien verbunden mit einem 14 jährigen Aufenthalt in Palästina machen ihn zum besten Kenner der Umwelt des entstehenden Christentums sowohl in sprachlicher und religionsgeschichtlicher, wie in geographischer und archäologischer Beziehung. So sind seine zahlreichen, durch Gründlichkeit und Objektivität gleich ausgezeichneten Werke, die hier nicht erst aufgezählt zu werden brauchen, gleichzeitig auch ein wertvoller Beitrag zur Wissenschaft vom Judentum. Der Hauptteil (S. 1—280־) ist ein von Druck- und Schreibfehlern gereinigter Abdruck der ersten Auflage. Weggelassen sind (bedauerlicherweise) die ״Messianischen Texte“ (S. 281—309), die indessen noch gesondert erhältlich sind. Neu hinzugekommen sind zwei Anhänge, von denen der eine mit vorbildlicher Akribie das Vaterunser unter dem Gesichtspunkt eines aramäischen Originals und seines Verhältnisses zu zahlreichen jüdischen Parallelen behandelt, während der zweite eine Reihe von Berichtigungen und Ergänzungen zur ersten Auflage bietet2. Der prinzipiell wichtigste Teil des Werkes ist noch immer die ausführliche Einleitung (S. 1—72). Dieselbe enthält eine Darstellung und eindringende Untersuchung der Sprachverhältnisse im Palästina des ersten Jahrhunderts. 1 Boussets Religion des Judentums im neutestamentlichen Zeitalter kritisch untersucht (Berlin 1903) S. 21. 2 An Stelle der S. 373—375 mitgeteilten Literatur der letzten 30 Jahre wäre eine etwas eingehendere Würdigung der einzelnen Werke und Arbeiten wünschenswert gewesen.