Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 2)
- Language
- German
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75 Literatur niedergelegt sind, ist uns im philosophischen Thesaurus von J. Kiatzkin gegeben. Im Jahre 1928 sind die ersten zwei Bände erschienen, die von א bis מ reichen. Der dritte Band soll in einigen Monaten erscheinen. Das erste, was an Klatzkins Wörterbuch hervorzuheben ist, ist die saubere, exakte Arbeit und die strenge Begriffsscheidung. Die Wissenschaftliehen Fachausdrücke werden bis in ihre feinsten Nuancen verfolgt. Nur ein Philosoph von Fach und ein Hebraist wie Kiatzkin konnte diese Arbeit leisten. Das Erstgegebene war für den Verfasser nicht der Wille, ein Fachwörterbuch zu schreiben, sondern das heiße Bestreben, sich als hebräischer Philosoph in Wort und Schrift aus wirken zu können. Schon seit 20 Jahren1 fühlte er den Mangel eines solchen Werkes; seit dem Augenblick nämlich, als ersieh zuerst der Philosophie zugewandt hat. Aus dieser selbstempfundenen Not heraus erwuchs für ihn der Plan, die mittelalterliche Fachliteratur auf ihre terminologische Seite hin zu durchforschen, die Wort- und Begriffsbildungen zu buchen und zu ordnen. Ein großer Teil der Wortforschungen kam ihm schon bei seiner Uebersetzung von Spinozas Ethik zugute. Ein zweites, worauf hingewiesen werden soll, ist die reiche, aber streng sachliche Wahl der Beispiele. Die Zitate gehen immer so weit, daß der Leser einen ganzen Gedanken herausbekommt. Diese ged ankenmäßige Rationierung der Zitate scheint aus der rein philosophischen Orientierung des Verfassers zu fließen. Für ihn sind die zu behandelnden Wörter kein philologisches, sondern philosophisches Material. Es kommt ihm daher weniger auf die rein syntaktischen Relationen an, als auf die Herausarbeitung des philosophisch Wichtigen, des Begriffes und des gedanklichen Momentes. Man vergleiche z.' B. das Stichwort ns und die hierzu gehörigen Zusammensetzungen (Bd. II, S. 73—83). Die Wahl der Beispiele und ihre logisch gegliederte Zusammenstellung gehen weit über das hinaus, was man gewöhnlich unter Worterklärung versteht. Sie bieten die wichtigsten Realien, die zum weitverzweigten wissenschaftlichen Begriffskreis von ,,Kraft“ gehören. Das starke Hervortreten von Realien gehört übrigens zum Wesen des Buches. Aus der philosophischen Disposition des Werkes ergibt sich auch das Fehlen philologischer Aufschlüsse. Der Verfasser geht über seinen eigenen Arbeitskreis nicht hinaus. Die hebräische Quelle ist für ihn die Quelle. Woher das Wort in letzter Linie stammt, wird nicht gebucht. Man vergleiche z. B. גשם und die daraus abgeleiteten Wörter. Bei aller Ausführlichkeit der sachlichen Behandlung des Ausdrucks wird mit keinem Worte auf seine arabische Abstammung hin gewiesen. Ebensowenig geht der Verfasser auf sonstige philologische Erwägungen ein. Es fehlt jede Stellungnahme zur Wahl und Bildung der termini. Maßgebend ist einzig und allein das iterarische Vorhandensein des Wortes. Andererseits bietet der Verfasser viel mehr als er im Titel verspricht. Sein ״philosophischer Wortschatz“ rollt die ganze wissenschaftliche Terminologie auf. Philosophie wird hier im weitesten Sinne verstanden und alles zur Denktechnik und Denkarbeit gehörige mit einbezogen. Eine beachtenswerte Vervollständigung erhält das Werk dadurch, daß auch aus der karäischen Literatur das Wichtigste aufgenommen wurde. — Mehr dem praktischen Ziele des Buches Rechnung tragend, hat der Verfasser die heran gezogene Literatur mit dem Mittelalter nicht abgeschlossen. Er geht bis in die neue Zeit hinein. Außerdem wird bei den einzelnen Artikeln auf die entsprechenden Synonyme und verwandten Stichwörter hingewiesen. Im vierten Band soll noch ein alphabetisches Register in deutscher und englischer Sprache mit hebräischer Uebersetzung beigefügt werden, was die praktische Brauchbarkeit des Werkes wesentlich erhöhen dürfte. Nur noch ein Wort über die benutzten Quellen. Man sieht auf den ersten Blick, daß der Verfasser die mittelalterliche Literatur in sehr ausgiebigem Maße benutzt bat. Der Fundort ist überall genau angegeben. Auch handschriftliches Material kam zur Verarbeitung. Es wäre von besonderem Wert, wenn der Verfasser im Anhang eine genaue Liste seiner Quellen geben wollte. Breslau. Michael Guttmann. 1 S. Einleitung Bd. I, S. 7.