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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 1
Article
Neuerscheinungen zur Geschichte der Philosophie der Neuzeit [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 und Wissenschaft in der Vernunft religio 11 der Aufklärung führt. Per stürmischen Neugestaltung des kulturellen Lebens Europas entspricht eine völlig veränderte politische und geistige Stellung der jüdischen Gemeinschaft in Europa. Sie beleuchten zwei einander so tief entgegengesetzte Denker wie Spinoza und Mendelssohn. Auflösung oder Neubegründung des J11 ־ dentunis sind die Wege, vor die sich das Judentum der Aufklärung gestellt sieht. Beide Wege beschreitet das Judentum der Aufklärung, um sie im 19. Jahrhundert zur vollen Entfaltung und Auswirkung zu bringen. Die Darstellung des geistigen Zusammenhanges zwischen dem jüdischen Schrifttum und der Weltanschauung der Renaissance und der Aufklärung, wie die Stellung Leone Ebreos, Spinozas und Mendelssohns zum Judentum und dem neuen Europäisraus sind der Inhalt vorliegender Arbeiten. M. Joseph ßrözinger: Geschichte der jüdischen Philosophie und der jüdischen Philosophen von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart. I. Band. Von Moses Mendelssohn bis Salomon Mainion. Philo-Verlag, Berlin 1930. ,,Der Zweck dieses Werkes ist, den philosophisch interessierten Laien und den Fachleuten die jüdischen Leistungen auf dem Gebiete der Philosophie vor Augen zu stellen/' Wir müssen es aussprechen, daß der Autor einer unkritischen, panegyrischen Behandlung seines Themas zum Opfer geworden ist. ,,Da von jeher die Hauptrepräsentanten der Universalphilosophie Juden waren und noch heute sind, duldet die jüdische Philosophiegeschichte keine gewaltsamen Demarkationsbestimmungen und sie umfaßt den ganzen geistigen Erdkreis. Diese ökumenische Expansionskraft der jüdischen Philosophen erstreckt sich auf die allgemeine Philosophie überhaupt, so daß die Geschichte der Philosophie im allgemeinen eigentlich Geschichte der jüdischen Philosophen heißen könnte." (S. 8.) Bibelwissenschaftlich und philosophiegeschichtlich gleich unmöglich ist die Parallelisierung der ,,tiefschürfenden Philosopheme und ethischen Grundsysteme" der Propheten mit der griechischen Philosophie, die Annahme, daß Koheleth Heraklit und den Stoikern um viele Jahrhunderte vorangingen, ״daß der königliche Philosoph und noch nie erreichte Psalmendichter David, der jüdische Friedrich der Große, mit fast drei Jahrtausenden vor dem Königsberger das Desinteressement als Fundament aller Moral verkündete." (S. 8.) Diese philosophischen Traditionen führte dann Philo weiter. ״Denn an der Wende einer jeden philosophischen Epoche steht, neben den Diis minorum gentium ein jüdischer Denkerführer, welcher der ganzen Epoche den Stempel seines Geistes aufdrückt und ihr ein spezifisches Gepräge verleiht." (S. 8.) so beginnt mit Mendelssohn eine nachgerade Führerstellung der jüdischen Geistesbetätigung." (S. 14.) Nicht scharf genug kann gegen eine solche Apologetik der jüdischen Philosophie Einspruch erhoben werden. Die Darstellung der Philosophie von Mendelssohn bis Maimon dringt nicht zu den philosophischen Motiven vor; die philosophie-

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