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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 1 · p. Seite 3

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 1
Article
Neuerscheinungen zur Geschichte der Philosophie der Neuzeit [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Diese beiden Bände der Jubiläumsausgabe verdienen in ihrer wissenschaftlichen Zuverlässigkeit und Vollständigkeit uneingeschränkte Anerkennung und es bleibt nur zu wünschen, daß das Erscheinen der Gesamtausgabe die weiteste Förderung erfährt. Albert Lewkowitz: Das Judentumund diegeistigen Strömungen der Neuzeit. I. Die Renaissance, Verlag M. & H. Marcus, Breslau 1929. II. Die Aufklärung, Verlag Wilh. Jacobsohn & Co., Breslau 1929. Auch in den umfassenden Darstellungen der jüdischen Geschichte wird der geistige Raum, in dem sich die jüdische Geschichte vollzieht, nicht genügend berücksichtigt. Erhellen sich große Partien der jüdischen Geschichte im Mittelalter aus der das politische, wirtschaftliche und geistige Leben beherrschenden Stellung der Kirche, so bedeutet die Neuzeit die Erschütterung und Auflösung der Herrschaft der kirchlichen Weltanschauung. Hierdurch erweitert sich der Spielraum nicht bloß der geistigen, sondern auch der wirtschaftlichen und politischen Kräfte, die nicht mehr von der Kirche geleitet werden. Die Neugestaltung der europäischen Kultur führt zur geänderten Stellungnahme zur geistigen Erscheinung des Judentums wie zur realen jüdischen Gemeinschaft. Von dieser umfassenden Erneuerung des europäischen Lebens aber wird die jüdische Gemeinschaft und nicht zuletzt das jüdische Geistesleben selbst aufs tiefste berührt. Eine neue Teilnahme am europäischen Geistesleben erwacht und bestimmt die Stellung des Judentums inmitten der europäischen Kultur. Im Zeitalter der Renaissance sind es die Kräfte des religiösen Universalismus, die in der Erneuerung und Befreiung des neuplatonischen und stoischen Weltbildes von dem Einfluß des kirchlichen Dogmas, in der Opposition der Mystik gegen den Buchstaben der Schrift und in der Begründung eines sittlichen Rationalismus dem Pessimismus und dogmatischen Partikularismus der Kirche entgegentreten. Auf diese Auseinandersetzung wirkt das Judentum mit seinem biblischen Schrifttum und seiner Philosophie, insbesondere der Philosophie Gabirols, Maimonides und der Kabbala bedeutsam ein. Diesen bisher nicht beachteten Anteil des Judentums am Geistesleben der Renaissance galt es sicherzustellen, wenn auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft selbst lediglich in Italien Leone Ebreo (Juda Abarbanel) an der geistigen Bewegung der Renaissance teilnahm, die der europäischen Weltanschauung einen neuen Ausdruck gab. Die außerordentliche Bedeutung der Kultur der Aufklärung auf die Gestaltung des jüdischen Schicksals, auf die Emanzipation der Juden und die neuzeitliche Geschichte des Judentums konnte nicht übersehen werden. Auch hier galt es, die politischen, wirtschaftlichen und geistigen Kräfte darzustellen, die die Aufklärung zu einer Europa revolutionierenden Macht erhoben haben. Insbesondere bedeutet die Aufklärung die Durchsetzung der geistigen Selbständigkeit des Menschen gegenüber den Mächten der Tradition und die freie wissenschaftliche Auseinandersetzung zwischen der naturwissenschaftliehen und religiösen Weltanschauung, die zur Synthese von Religion 1*

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