Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- [Rezension] / G.
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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vom Ausland, auch nach biblischen -Berichten, sehr stark; Ergebnisse der archäologischen Forschungen, namentlich in, bezug auf die Tempelbauten hätten wohl mehr genutzt werden können. Ueber früheste Synagogen in Galiläa, und Nordafrika, die syrisch-römische Kunstformen zeigen, enthält das Buch interessante Angaben. Auch das ganze Mittelalter hindurch erfolgte engster Anschluß an den Stil, einer bestimmten Zeit, eines bestimmten Volkes, so bei Synagogenbauten, bei rituellen Bädern (z. B. in Worms und Friedberg — ein Hinweis auf diese fehlt), so bei Kultgeräten, bei Malereien in Schriften und an Synagogenwänden. Schwarz glaubt, in Buchkunst und Graphik ,,ausgesprochen jüdische Eigenart“, den ,,Geist einer jüdischen Volkskunst“ zu erblicken. Ohne Zweifel haben Juden in der Buchkunst Vorzügjiches geleistet. Schon vor der Emanzipation gibt es auch jüdische Graphiker, Stecher und Radierer, besonders aber Miniaturporträtisten. Nicht urplötzlich also entsteht die künstlerische Fähigkeit bei Juden — darauf weisen die Namen und Angaben hin, die der Verf. zusammengetragen — doch die freie Entfaltung aller künstlerischen Fähigkeiten vollzieht sich erst im 19. Jahrhundert mit der gesellschaftlichen und politischen Emanzipation. Dieser Zusammenhang bedürfte einer tieferen Begründung, als der Verf. sie gibt. Der schnelle Aufstieg jüdischer Künstler in allen Kulturländern, auf allen Gebieten künstlerischen Schaffens ist für die Geistesgeschichte der europäischen Juden von außerordentlicher Bedeutung. Aber was bedeuten diese künstlerischen Leistungen von Juden für die Kunst der einzelnen Völker, für die Kunst Europas? Haben Juden ihren Entwicklungsgang in irgendeiner Weise beeinflußt? Diese Frage scheint in dem Buche kaum Beachtung gefunden zu haben. Eine solche ,,Tendenz“ wäre bei einem Buche mit diesem Titel weniger empfunden worden, als die Tendenz, die tatsächlich in ihm deutlich sichtbar wird, die Betonung des ,,Jüdischen“ in dem Schaffen jüdischer Künstler. Dem Verf. hat sich das Thema beim Schreiben offenbar in ein anderes gewandelt. Aus dem Thema ,,Die Juden in der Kunst“ wird ,,Das Jüdische in den Werken jüdischer Künstler“. Damit treten objektive Kriterien zurück, der Verfasser wollte ja auch kein wissenschaftliches Buch schreiben, wollte offenbar den Laien in das Schaffen jüdischer Künstler einführen und vielleicht auch in die — Ideologie des Zionismus. Man könnte es sonst nicht verstehen, daß unbestritten großen Meistern, wie Pissarro, Israels, Liebermann, auf insgesamt vier Seiten eine reservierte Betrachtung, zwei anderen, Budko und Steinhardt, auf größerem Raum begeisterte Hymnen gewidmet werden. Das muß ein schiefes Bild geben, zumal der Verf. ausdrücklich betont, daß er jüdische .Tendenzkunst ablehnt. Doch möchte er nicht nur in dem ״psychischen Untergrund das Wesenhafte“ suchen, sondern wünscht und hofft, ״daß auf der alten heimatlichen Erde eine jüdische Kunst erstehe“, daß dort auf ״dem alten Mutterboden das jüdische Blut den Werken eine,jüdische Note gebe“, die sie doch unter den ״Wirtsvölkern“ nicht erhalten könne. Dementsprechend ist die Auswahl der Künstler; es fehlen auch bekannte Namen, andere sind über Gebühr gepriesen. Dementsprechend gibt auch die Auswahl der an sich guten Abbildungen weder von dem Schaffen der Hauptmeister, noch von dem Einfluß der Juden auf die künstlerische Bewegung im 19. und 20. Jhdt. eine rechte Vorstellung. Ueber andere Probleme, über Kunst und Religion, Kunst und Kultus, ist manches Gute gesagt, auch über Volks Charakter und künstlerischen Ausdruck; aber es scheint mir nicht überzeugend, was so oft als ״ausgesprochen jüdische Eigenart“, als ״typisch jüdische Erzeugnisse“, als ״Wesen jüdischer Kunst“ gedeutet wird. ״ Jüdische Kunst“ ist für den Verf. eine Hoffnung. Ob sie je sich erfüllt, will auch er nicht prophezeien. Die dreitausendjährige Geschichte gibt zu solcher Hoffnung noch keine Berechtigung. Der Verf. bekennt, daß er trotz der Schwierigkeiten, deren er sich wohl bewußt gewesen sei, in wenigen Wochen das Buch geschrieben habe, daher auch wohl so mancherlei sprachliche Mängel, die bei genauer Durchsicht hätten vermieden werden können. Das Buch ist vorzüglich ausgestattet, enthält eine Fülle von Material, auch vieles, was bisher wenig bekannt war. Es ist das Verdienst des Verf., dieses Material hier gesammelt und in übersichtlicher Darstellung bearbeitet zu haben. Für diesen ersten Versuch wird man ihm — man mag zu den Problemen'selbst auch eine andere Einstellung haben — Dank wissen. ,___ Dr. G.