Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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jüdischen Gemeinden. Von ganz besonderem Interesse ist das Kapitel Adas Israel. Die Schwierigkeiten, die. durch die Verschiedenheit der religiösen Richtungen entstehen, die Versuche, sie zu überwinden und unter Aufrechterhaltung der Einheit der Gemeinde den religiösen Bedürfnissen aller gerecht zu werden, die Fehler und Mißgriffe, die in diesen Kämpfen und Verhandlungen begangen sind, sind bis zu einem gewissen Grade typisch für den Verlauf auch in anderen großen Gemeinden. Die einzelnen Phasen dieser Entwickelung sind durch den Abdruck der verschiedenen Abkommen zwischen der Gemeinde und der Adas Israel gekennzeichnet. Wertvoll ist ferner das letzte Kapitel über den Anteil der Gemeinde am öffentlichen Leben. Die politische ,und kommunale Tätigkeit von Gememdeangehörigen und die Leistungen auf dem Gebiete der kommunalen und interkonfessionellen Wohlfahrtspflege werden skizziert, einiges auch zur Kenntnis der wirtschaftlichen Stellung der Juden beigebracht. Es lag offenbar außerhalb des Plans dieser Arbeit, aber es würde von ganz besonderer Bedeutung sein, wenn die Forschungen auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte im 19. Jahrhundert sich ganz besonders noch nach zwei Seiten erstrecken würden: einmal die Siedelungsgeschichte der Gemeinden, d. h. Zeit und Ort der Herkunft der Gemeindemitglieder — denn die jüdischen Großgemeinden in Deutschland sind als solche sämtlich Produkte der neuesten Zeit י— und zweitens die Wirtschaftliehe Betätigung und Berufsschichtung der Juden. Die Schwierigkeiten der Erfassung und Bewältigung dieses Materials sind freilich außerordentlich groß und vielleicht kaum zu überwinden. Einiges hat Freudenthal zu geben gewußt, und so darf seine Arbeit als eine umfassende angesprochen und als überaus wertvolle Bereicherung unserer historischen Literatur bezeichnet werden. Breslau. __: Hermann Vogelstein. S.-.Z. Croldmann: משלים Berlin 1923, Verlag Schacharuth. Br. Albr. Robinson: ימשלים נבחרים Berlin 1924, Verlag Schacharuth. Die Benutzung von Fabeln zur Belehrung von Jung und Alt hat bekaimtlich in, der althebräischen Geschichtsschreibung und Dichtung wie in der Talmud- und Midrasch-Literatur ,einen breiten Raum eingenommen- R. Jochanan b. Zakkai wurde bei der Schilderung seines universellen Wissens die Kenntnis der משלי שועלים nachgerühmt und von R. Meir wurde die Anwendung dieses Hilfsmittels in seinen populären Vorträgen besonders hervorgehoben. Der spätere Midrasch, der sich so häufig der verbreiteten Fabeln bedient, weist auch auf die pädagogische Wichtigkeit desselben im Unterricht hin : אל יהא המשל קל בעיניך. Jm Mittelalter hat Kalonymos b. Kolonymos nach arab. Muster אגרת בעלי חיים und Beredya b. Natrouai משלי שועלים verfaßt. Im vorigen Jahrhundert haben Benj. Ke wall (1843 פרחי קדם) und besonders J. L. Gordon durch seine anmutigen Nachahmungen der Fabeln von Lafontaine und Kryloff (משלי יהודה, den zweiten Band seiner •Dichtungen, 1884 bildend} diese Literaturgattung gepflegt. Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache gab es noch nicht und die Fabeln waren hauptsächlich als Unterhaltungslektüre .für Erwachsene gedacht, sie behandelten darum auch vielfach Fragen des sozialen Lebens und der Kultur im Sinne der Haskala. Angesichts des seit Jahrzehnten entwickelten modernen hebräischen Schulwesens, besonders in Palästina, ist die Anlage von Sammlungen eigens verfaßter oder aus der Weltliteratur übersetzter Fabeln vom Standpunkte des praktischen Bedürfnisses beim .Jugendunterricht zu begrüßen. Beide Sammlungen enthalten zahlreiche sinnvolle Gedichte in leichtfaßlicher neuhebräischer Sprache. Goldmann? zieht auch biblische Stoffe geschickt heran (ממה משה וממה אהרן; משה והסנה).. Vom Gesichtspunkte des Schulunterrichtes wären wohl politische Stücke, wie עריצים מתקני עולם (s. 65), oder allgemein unbekannte lokale Anspielungen, wie “♦♦♦״הרמאי המפורסם משג (S..75) auszuschalten gewesen. Robinsons Sammlung enthält Uebersetzungen und Eigenes, teils in Reimen, teils in Prosa. Bei den Reimen wird keine Konsequenz hinsichtlich der vorausgesetzten Aussprache beobachtet. Soll dies die korrekte grammatische sein, dann dürfte גלם nicht mit ע1לם reimen (S. 8)•; ist es aber die volkstümliche, dann gehört עלוב nicht zu בלוב. Statt 1ע1קצ dürfte auch עקצו richtiger sein. — Die Ausstattung beider Werke ist vortrefflich. ־ A. Kaminka.