Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
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60 die Erzählungen der biblischen Geschichte lebendig, ja oft bestätigt werden״ Hier erhält der Schüler eine Vorstellung von den Zelten unserer Ahnen, von ihren! Nomadenleben, von ihrer Feld- und Handarbeit, hier sieht er den Tempel und seine Geräte, den Feind ihn belagern, hier liest er Inschriften auf Stein, auf Münzen, auf Schmuckstücken, hier erstehen vor ihm Städte, deren Namen er ■bisher zwar hatte lernen müssen, doch ohne daß er von ihrer Lage, ihrem Aussehen, von den noch heute sichtbaren Spuren etwas gewußt hätte. Danken wir dem Verlage und dem Verfasser und wünschen wir, daß das Werk die ihm gebührende Verbreitung erfährt. (Bei einer neuen Auflage wäre es wünschenswert, daß auch zu den Abbildungen sogleich die literarischen Belege gegeben werden.) Kiel. --- — 4. Posner. M. Soloweitschlk und S. Rub&scheff: תולדות בקרת המקרא (Geschichte der Bibel־ kritik, I. Teil der Serie: Die Biblische Wissenschaft.) Verlag Dwir-Mikra, Berlin, jetzt Publishing liouse, Tel-Aviv, P. O. B. 149. Mit einer fast bewundernswerten Unparteilichkeit wird in diesem, in fließendem Hebräisch geschriebenen, Buch die Geschichte der Kritik am überlieferten Bibeltext von den ältesten Zeiten bis auf unsere Gegenwart geschrieben. An die Spitze der Untersuchungen werden die Resultate gestellt, die sich aus den abweichenden Lesarten des Talmuds ergeben, wie die dortselbst gegebenen Berichte über die Verfasser einzelner biblischer Schriften. Nach Abschluß des Talmuds setzt hierin eine gewisse Pause ein, bis nach den Karäern die Grammatiker des Mittelalters von der sprachlichen Seite her ihre kritische Sonde an den Text• legen. Von ihnen hat Abraham ibn Esra auf die nachfolgende Forschung den größten Einfluß ausgeübt, auf ihn beriefen sich die großen Forscher, die der Bibelkritik ganz neue Wege wiesen. Von Seite 50 an wird gezeigt, welche Ergebnisse die nichtjüdische Forschung, z. B. die Ueber- Setzung des Hieronymus, der Vulgata, ja die Reformation schließlich zeitigen konnte. Eine sehr ausführliche Behandlung erfährt dann Spinoza, als der Nachfahre des Ibn Esra, für den die Verfasser fast parteiliche Wärme aufbringen. Mit Astruc (S. 65) beginnt die Reihe der modernen christlichen Forscher mit ihrer Quellenscheidung, ihrer Textveränderung, Versumstellung, ihrer Kritik an den Namen der Autoren wie der Zeit, in der einzelne biblische Schriften entstanden sind. Auch die neuen Methoden der Kritik, hervorgerufen einmal durch das gewonnene Ausgrabungsmaterial und die Babel- Bibel-Frage* ferner durch die Stoffaufteilung nach Literaturgattungen werden charakterisiert. In den letzten Kapiteln kommen die Verfasser wieder auf die jüdische Gelehrtenwelt, von Mendelssohn über Zunz, Geiger, D. Hoffmann bis zu A. Kahane und S. Bernfeld zurück. Ob die Stoffaufteilung sehr günstig war, mag unentschieden bleiben; vielleicht wäre es besser gewesen, Text-, Quellen- und Autoren-Kritik zu trennen. Die Zitate könnten oft genauer gegeben werden, wie auch die Literatur der jüngsten: Zeit viel vollkommener angeführt werden sollte. Immerhin, es ist ein verdienstliches und gutes Werk: wir' dürfen seine Fortsetzung gern erwarten. Kiel. _ A. Posner. Georg Liebes Das Judentum in der deutschen Vergangenheit, 2. Aufl., Jena, Eugen Diedrichs. 1924, 127 S. mit 103 Abbildungen, brosch. 5,— M., geblinden 7,— M. Die Neuansgabe des vorliegenden Werkes in der Sammlung ,,Die deutsehen Stände in Einzeldarstellungen“ bringt einen einfachen Wiederabdruck des schon vor längerer Zeit erschienenen Buches. Sein Hauptwert beruht auf den zahlreichen Illustrationen, die aus den allerverschiedensten Quellen, vom 12- bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, zusammengetragen sind. .Sie zeigen im ganzen: keine naturgetreue, noch weniger eine künstlerische Dar- Stellung der Erscheinung des deutschen Juden, sondern eher ein Spiegelbild, wie er in der Phantasie des Volkes lebte. Der verbindende, Text läßt das Bestreben erkennen, den Juden und ihrer Stellung inmitten des deutschen Volkes Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Uel}erall scheint uns das Ziel nicht erreicht zu sein. So, wenn gleich zu Anfang den Juden der Vorwurf gemacht wird, sie hätten ihre freie Stellung zu Anfang des. Mittelalters nicht dazu benutzt, uni ihren Beruf als Geldverleiher aufzugeben, in andere Berufe überzugehen und dann in der übrigen Bevölkerung ■unterzutauchen ' (selbstver-