Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 2)
- Language
- German
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92 und sein leidenschaftlicher Kampf gegen den Rationalismus würdigt viel zu wenig die nicht zu umgehende Tatsache, daß es nur der Geist ist und sein kann, der Kriterien der Wahrheit aufzustellen vermag. In seiner einschränkenden Würdigung Bubers hat G. recht, wir betrachten Buber nur als einen Vor- Täufer der religiösen Bewegung im Judentum und zugleich als ein Symptom dafür, daß die nationale Renaissance, treu dem Charakter und entsprechend der weltgeschichtlichen Stellung des jüdischen Volkes, trotz des vielfach dagegen sprechenden Scheins, in die - religiöse Renaissance auslaufen werde. Wenn aber C. meint, die Bewegung müsse vor allem zu festen u. z. den überlieferten religiösen Formen führen, die von Buber geforderte Tat sich gerade in'ihnen bekunden, so bedeutet dies eine sehr bedenkliche und bedauerliche Verengung des jetzt ins Weite und Hohe gehenden Strebens der jüdischen :Seele, wie das noch unsichere Vorwärtstasten des Buberschen Geistes es offenhart, ein arges Verkennen der innersten Motive für die großen Wandlungen und die tiefe Gärung, die durch das neuere Judentum gehen. Gewiß, das Judentum braucht feste religiöse Lebensformen und das künftige Judentum wird sie wieder haben, aber das kann nur ein beiläufiger Erfolg der auf weit höhere Ziel e gerichteten religiösen Bewegung sein. — Auch in manchem andern müssen wir dem Verf. widersprechen. Zur ,,Einverleibung“ bedarf es nicht gerade der konkreten, äußeren Form, dazu genügt auch die geistige. Wo feste Grundüberzeugungen gegeben sind, da wird einverleibt, und Einverleiben ist n och kein Schöpfertum. Die Fortdauer des Judentums ist nicht ausschließlieh und nicht einmal überwiegend durch die religiöse Lebensform bewirkt worden, sondern vor allem durch den messianischen Glauben in Verbindung mit dem Äuserwählungsglauben, beides gestützt durch den Offenbarungsglauben, auf dem Leben und Glauben im mittelalterlichen Judentum durchaus ruhten. Daraus, daß die religiösen Formen aus dem jüdischen Leben hervorgegangen sind, folgt auch nicht, llaß sie unverändert dauern müssen, da das Lehen selbst der Veränderung unterworfen ist. Trotz der bezeichnten Mängel glauben wir das Buch zur Lektüre empfehlen zu dürfen. Es offenbart warme Liebe zum Judentum und ein leidenschaftiiches Wollen. Die Sprache ist durchgehends frisch und lebendig und . reich an treffenden Bildern, die oft mehr als bloßer Schmuck, die eine konkrete Veranschaulichung abstrakter Gedanken im besten Sinne sind. Das Buch enthält alte Wahrheiten in vielfach packender Darlegung, im einzelnen auch originelle Ausführungen. So z. B. die Schilderung der Macht der konkreten Schöpfungen fremder Kultur auf die Juden (.'S. 94—-95), die Psychologie des assimilierten ,,Grolljuden“ (S. 117—122), die Ausführungen über Kiddusch hasehern und den Seitenblick des assimilierten Juden auf den Nichtjuden (S. 1 22—123), über Humanität und Toleranz im Munde des Juden als Brunstschrei des Nichtgleichen nach Gleichheit (S.. 125). Der Leser dürfte also dem Buche von C. reiche Anregungen entnehmen pnä es nicht ohne Gewinn aus der Hand legen. Max Joseph. Max Nordau, Zionistische Schriften. 2. Auflage. Berlin, Jüdischer Verlag, 1923. Da die erste Auflage der Schriften Nordaus seit langem vergriffen war, ist das Erscheinen einer neuen zu begrüßen. Sie ist .um die seitdem verfaßten > Reden und Aufsätze, sowie um eine Selbstbiographie Nordaus vermehrt. — Ein-־Bild״ •von ihm nach einem Gemälde seiner Tochter Mäxa schmückt den sittlichen Band. •— —^ gehört ebenso wie Theodor Herzl der jüdischen Geschichte an, und es ist an dieser Stelle nicht darauf hinzuweisen, was er für den Zionismus'geleistet hat; seiner Persönlichkeit, wie sie aus seinem Bild und seinen Werten uns entgegentritt, haftet etwas Prophetenhaftes an. Wenn er durch die Lande zog, um für seine Ideale zu werben, so kündete er auch damit der Welt die ewige Jugendkraft jüdischen Geistes. — Wie es die Art seiner Reden picht anders möglich macht, klingt in ihnen im Grundton dieselbe Note wieder, Und es hat vielleicht etwas Ermüdendes sie hintereinander zu lesen, aber immer wieder sind sie von der gleichen Jugendfrische erfüllt. Die vielleicht wärmsten Töne findet er, als er seinem Freunde Theodor Herzl die Totenklage über das■ Grab nachruft. — Sehr hübsch ist der Nachtrag zu Heinrich Heines ״Deutsch- Tand, ein Wintermärchen“, in dem er das Schicksal der Heinestatue besingt; — Breslau.■■■■■■■.■;־• . •״; •> :■־'. - '■.■■.־ Dr. Willy Cohn.