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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 1 · p. Seite 86

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1924-01-01
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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86 Wortäusfall entstanden sind. Zahlreich sind auch nach' Perles die Entstellungen des Textes durch Buchstabenverwechselungen, sei es, daß sie durch Aehnlichkeit in der althebräischen Schrift oder in der Quadratschrift hervorgerufen werden. Weitere Abschnitte -behandeln die Fehler, die durch Buchstaben- Umstellung oder durch Abirren des Auges, sei es auf den Wortanfang, auf das . Ende: bezw. die Mitte eines Wortes oder aber auch durch vertikales Abirren, hervorgerufen werden. Ein besonderer Abschnitt behandelt die falsche Vokäil- ״sätion, ein anderer die zahlreichen lexikalischen, exegetischen und kritischen Glossen, im letzten Kapitel werden unter der Rubrik ,,Verschiedenes64 die falsche Satzabteilung, Umstellung von Worten, Verstehen und ganzen Versen, Volksetymologie, zur Textkritik der Versionen u. ä. behandelt, nachdem vorher noch in zwei besonderen Abschnitten rein exegetische und lexikalische Fragen behandelt worden sind. Ein Index der in 4dem Buche behandelten Bibelstelleri und ein alphabetisches Verzeichnis aller lexikalisch wichtigen Resultate, speziell der neu erschlossenen Vokabeln, schließt das außerordentlich gehaltvolle Buch und macht es auch dem, der nicht die Muße findet, es vollständig durchzuarbeiten, möglich, es bei schwierigen Bibelstellen leicht zu Rate zu ziehen. Berlin. S. Gans. FrieiMch Mückle, Der Geist der jüdischen Kultur und das Abendland. Wien, .Leipzig, München, Rikolaverlag, 659 S. Das Buch eröffnet eine Gesamtdarstellung der Geschichte unter kulturphilosophischen Gesichtspunkten, insofern sich mit Spengler berührend, aber auf ganz anderer Grundlage: der Mensch sucht das Chaos zu bewältigen durch Mächtwillen (der bei Sp. einseitig hervortrifct) und Erlösungssehnsucht; die Zivilisation ist kein Abschluß, bietet vielmehr Keime zu neuer Kultur; gegenseitige Beeinflussung.der Kulturen wird (im Gegensatz zu Spengler) zugegeben. Der ausführlichen Darstellung dieser geschichtsphilosophischen Grundsätze und ihrer Veranschaulichung an den ,,Symbolen66 Faust und Zarathustra folgt die Behandlung der indischen Kultur als Gegensatz und der babylonischen .als Mutter der ,,jüdischen“ Kultur; den Hauptteil bildet die Darstellung dieser Kultur selbst gemäß dem. kulturphilosophischen Schema des Vf.: der Vor kultur der Wüsten- und Beldenzeit folgt die H ochkultur der Prophetenzeit, aus der sich etwa seit Josia allmählich die ,,Z i v i 1 i s a t i 0 11“ (besonders durch Ezechiel und die Priesterschrift gekennzeichnet) entwickelt, innerhalb deren sich aber unter erstarrter Rinde Funken alten Kulturlebens erhalten; an diese knüpfen Jesus^undPaulus als Schöpfer einer neuen jüdischen Kultur an. Das Werk ist gedankenreich und durchaus vorurteilsfrei geschrieben; die Nachweise, wie im israelitisch-jüdischen Kulturleben Macht- und Erlösungswille durcheinandergehen, sind, wie ja von vornherein zu erwarten, ausgezeichnet geglückt. Um so mehr ist zu bedauern, daß der Vf., der von der neueren Kulturgeschichte ausgegangen ist, die Quellen der biblischen oder gar nachbiblischen Zeit nicht kennt1 und infolgedessen ganz und gär auf .einige Gewährsmänner, insbesondere Duhm, angewiesen ist. Wie ganz anders hätte ein Denker vom Range des Vf. das Verhältnis der jüdischen ,,Zivilisation“ (die etwa mit der Kanonisierung der Bibel beginnen dürfte) zur Kultur, ¬ס. z. sowohl die Vorzüge der Zivilisation (auf volkspädagogischem Gebiet) wie ihre schweren Verwicklungen aus wirklicher Anschauung darstellen können! •Und gerade bei einem Buche für Laien ist zu bedauern, daß das übliche Bild der Wellhausenschen Schule (eine Religionsstiftung durch Moses existiert nicht!) nicht nur als möglich bezeichnet, sondern als das einzig denkbare in naiver Gläubigkeit weitergegeben wird. Der Fachmann, der zu kontrollieren und zu berichtigen vermag, wird viele Anregungen, aus dem Buche schöpfen. Heinemann. 1 Nur drei Proben: Nebim wird •nicht nur durchweg in Mehrzahl, sondern S. 428 in Einzahl geschrieben; Sisera wird S. 279 zum König gemacht, Nabot gär 405 ff. ständig in einen Nabob verwandelt!

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