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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 1 · p. Seite 67

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Wer war der Hebräer, dessen Werke Hrabanus Maurus benutzt hat?
Date
1924-01-01
Page
Seite 67 (sequence 2)
Language
German
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67 Responsen den Namen des deutschen Gelehrten zu bestimmen, der mit Hrabanus im Verkehr gestanden hat1. Inzwischen aber hat bereits Joh. Bapt. Hablitzel festgestellt2, daß das von Hrabanus benutzte Werk ״des gegenwärtig blühenden Hebräers" die in den Werken des Hieronymus überlieferten Quaestiones hebraicae in libros Regum et Paralipomenon (Migne XXIII, 1329) gewesen sind. Das Gleiche gilt von der Stelle in der glossa interlinearis zu Matthäus 522, wo Hrabanus bei der Erklärung des Wortes Racha sagt: ,,Wahrscheinlicher ist aber, was ich von einem Hebräer gehört habe, daß Racha ein mißbilligender Ausruf ist, welcher die ärgerliche Stimmung ausdrückt". Diese Erklärung geht ebensowenig auf eine mündliche Aeußerung eines Zeitgenossen zurück, sondern stammt von Claudius von Tours, der sie der Schrift des Augustinus de consensu evangelistarum über I, cap. 9, Nr. 23 (Migne XXXIV, 1240 f.) entnommen hat3. Die mannigfachen Angaben über seine Kenntnis des Hebräischen und die Heranziehung eines zeitgenössischen Juden zur Erklärung der Bibel müssen also aus der Lebensgeschichte des Hrabanus Maurus gestrichen werden. Der Verkehr mit einem jüdischen Gelehrten ist aber auch schon deshalb ausgeschlossen, da der erste in Deutschland bekannte jüdische Schriftgelehrte Moses ,,der Alte", der Sohn des Kalonymos erst nach der'Mitte des neunten Jahrhunderts von Lucca nach Mainz übergesiedelt ist. Moses ,,der Alte^ ist in Süditalien der Schüler des Aaron ben Salomo gewesen, der um das Jahr 850 hier geblüht hat4. Sein Urenkel, der Paitan Mose ben Kalonymos ben Jekutiel ben Mose hasaken gibt im Sulath die Zeit nach 968 als seine Lebenszeit an5, sodaß sein Urgroßvater Mose nach 850 gelebt haben muß. Die Mitteilung, die Carmoly in einer Handschrift als Jahr der Uebersiedelung Moses des Alten nach Mainz, 719 nach der Tempelzer- Störung (תשי״ם), gefunden hat, ist wohl in das Jahr 789 (תשפ״ט) abzuändern, so daß es sich also um das Jahr 857 handelt. Die Angabe bei Salomo Luria (Responsum Nr. 29), daß die Einwanderung in Mainz im Jahre 849 (תתמ״ס) nach der Tempelzerstörung stattgefunden, ist entweder als Jahresangabe nach der christlichen Zeitrechnung zu verstehen oder in das Jahr 789 d. h. 857 (תשפ״ט) zu verbessern. Der ,,König Karlo", der Mose den ,,Alten" von der Lombardei oder von Lücca nach Mainz gebracht hat, ist also Karl, der Sohn Pippins von Aquitanien, der Enkel Ludwigs des Frommen, der von 856—863 Erzbischof von Mainz gewesen ist. Allerdings ist aus den sehr mangelhaften Ueberlieferungen über Erzbischof Karl nicht zu entnehmen, daß er persönlich in der Lombardei gewesen 1 Vorn. Heimatsrecht der deutschen Juden 1921 S. 9. 2 Hrabanus Maurus, Ein Beitrag zur Geschichte der mittelalterlichen Exegese, Freiburg 1906 (Biblische Studien XI, 3) S. 9. 3 Anton E. Schönbach, Ueber einige Evangelienkommentare des Mittelalters (Sitzungsberichte der phil.-hist. Klasse der K. Akademie der Wissensch., Wien 1903, 146. Band) S. 13ל f. 4 David Kaufmann, Ges. Schriften III, S. 5 ff; Graetz, Geschichte V?i 468 nach Mscr. Paris. 5 Leopold Zunz, Literaturgeschichte, S. 107. 5*

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