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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
[Rezension] / Cohn, Willy
Date
1923-01-01
Page
Seite 75 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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75 Fritz Baer: Das Protokollbuch der Landjudenschaft des Herzogtums Kleve. I. Teil: Die Geschichte der Landjudenschaft des Herzogtums Kleve. Veröffentlicliungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, historische Sektion. G. A. Schwetschke u.׳ Sohn Verlag 1922. Von dem Verfasser besprachen wir im Dezemberheft 1915 der Monatsschrift seine ,,Studien zur Geschichte der Juden im Königreich Aragonien während des 18. und 14. Jahrhunderts“. Nunmehr begibt er sich in dem Auftrag der Akademie für die Wissenschaft des Judentums auf ein davon weit entferntes Gebiet: nämlich die Geschichte der Juden in Kleve. Eine derartige monographische Untersuchung eines in sich abgeschlossenen. Territoriums verspricht die besten Ergebnisse, denn die jüdische Geschichte in Deutschland verläuft in der Regel in verschiedenen Gebieten einigermaßen parallel, so daß sich Rückschlüsse von dem einen zum anderen Lande ziehen lassen. In dem 1. Kapitel untersucht der Verfasser das Verhältnis von Staat und Judenschaft im Herzogtum Kleve von den Anfängen bis zur Emanzipation. Er verfolgt die Ereignisse von den ersten Anfängen jüdischer Siedlung bis zum Tode Friedrichs des Großen. Das eigentliche Schwergewicht der Arbeit scheint mir jedoch in den beiden folgenden Kapiteln zu liegen. — In dem 2. Kapitel untersucht er den gesel schaftlichen und beruflichen Aufbau der Juden, ihre sozialen Verhältnisse und ihre wirtschaftliche Tätigkeit. Im 3. Kapitel: die Organisation und Verwaltung der Kleve’schen Landjudenschaft. Er entwickelt aas in sich geschlossene Bild der ‘ Landgemeinde, die als autonome Körperschaft im Staate ihr eigenes Leben führte und an die der Staat sich in jedem einzelnen Falle wandte, wenn er von einem jüdischen Untertan etwas haben wollte. Der Landtag wird analysiert, der die oberste Instanz im jüdischen Leben des Bezirkes darstellte. Sodann geht der Verfasser zu der Untersuchung der jüdischen Beamtenschaft über, er spricht zuerst von der eigentümlichen Persönlichkeit des Schtadlans, seinen Befugnissen und dem schließlichen Verfall des Amtes zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Darauf befaßt er sich damit, die Befugnisse der Vorsteher, der Steuerrezeptoren, der Einschätzungskommissionen und Kassenrevisoren, der Landrabbiner, Landboten und Land- Schreiber zu untersuchen. Schließlich werden die Finanzen und das Steuerwesen der Landgemeinde einer näheren Betrachtung unterzogen. Der Verfasser kommt zu dem Resultat, daß die Wirtschaft der Judenschaft im Ganzen eine durchaus geordnete gewesen ist. Das allgemeine Ergebnis der Arbeit scheint mir vor allem darin zu liegen, daß das jüdische Gemeinwesen, wie es eine derartige Landgemeinde darstellte, ein in sich geschlossenes Ganze war, dessen wohlgeordnete Zusammenfügung die Emanzipation jni't rauher Hand zerstörte. Auch erkennt man aus der Untersuchung, daß der Judenschaft im 18. Jahrhundert durchaus nichts Stagnierendes anhaftete. — Eine Reihe wertvoller Urkunden beschließt aas sorgfältig gearbeitete Buch, das sicherlich dazu angetan ist, der ״Aka emie für die Wissenschaft des Judentums5‘ alle Ehre zu machen. Willy Cohn. [Wir werden in der nächsten Nummer die Besprechung einer anderen Arbeit der ״Akademie“ bringen und bei dieser Gelegenheit Näheres über die Bezugsbedingungen für Rabbiner und Lehrer mitteiien. Die Schriftleitung,] Bücherschau. 1. Ausgaben und Uebersetzungen. In die Reihe der jüdischen Verlags ans t alten ist nunmehr Ferdinand Ostertag, Berlin W. 50, getreten und führt sich mit einer höchst eigenartigen Haggada vielversprechend ein. Außer dem unvermeidlichen Copyright enthält sie keine Typen einer europäischen Schrift: selbst der Vermerk, daß der Text von Franziska B a r u c h handgeschrieben, die Bilder von Jakob Steinhardt entworfen sind, ist hebräisch vorangestellt. Der gut gelungene, wenn auch nicht jedes Dagesch oder Ghirek ganz genau wiedergebende Lichtdruck und der expressionistisch-orientalisierende Buchschmuck wirken zu mächtigem künstlerischem Eindruck einheitlich zusammen; J. Steinhardts Kunst weiß namentlich Geheimnisvolles und Furchtbares bedeutend darzustellen; nicht nur in der Weihe des Kiddusch, im Druck der Sklaverei, in der Wucht der Plagen spürt er übernatürliche Mächte, — sogar die treuherzige

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