Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- [Rezension] / E. B.
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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74 . '־ י ■yall der Aufwand an Mühe und Fleiß auf ein hoffnungsloses Unternehmen verschwendet. Wer die Erzählung in Mtth. unbefangen liest, kann nicht zweifeln, daß hier ein Wunder, berichtet wird. Das ergibt, sich deutlich aus Vers 9: ״Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlände (sv rft gesehen hatten, zog vor ihnen her, bis er oberhalb der Stelle, wo das Kindlein war, in seinem Laufe innehielt (iXö-hv £tcgc9־y;).6‘ G. übersetzt: ״bis daß er kam und stand oben über da, wo das Kindlein war“ und meint, daß der Stern keineswegs durch seinen Stillstand das gesuchte Haus bezeichnen sollte, dieses vielmehr von den Magiern erst auf ändere Weise erkundet werden mußte. Daß iycdöij in der Sprache der Astronomie als Fachausdruck die angegebene Bedeutung haben kann, wird mit einer Parallele im assyrischen Sprachgebrauch belegt. Unter avaioiyj versteht et■ den heliakischen 'Aufgang, weil dieser in der Astrologie eine wichtige Rolle spielt. Da aber schon vorher (Vers 2) erwähnt war, daß die'Magier den Stern in der ävax0\7j beobachtet hätten, ist nicht einzusehen, warum dieser Umstand hier aufs neue betont wird. Offenbar bezeichnet das Wort an beiden Stellen genau so wie vorher azo dvaxcXü&v (Vers 1) das Morgenland, und der Erzähler will sagen, daß der Stern, der ihnen in der Heimat erschienen war und sie zur Reise nach Jerusalem veranlaßt hatte, jetzt auf ihrem Wege nach Bethlehem plötzlich wieder auftauchte, uni sie an das unbekannte Ziel zu führen, worüber sie sich, wie es weiter heißt, gar sehr freuten. Dazu kommt, was auch dem Verfasser nicht entgangen ist, daß hier von einem einzelnen Stern die Rede ist, Saturn und Jupiter aber auch in der Konjunktion noch weit genug von einander abstanden, um deutlich als zwei getrennte Himmelskörper erkannt und unterschieden zu werden. Hat der Verfasser die von ihm benutzten hebräischen Quellen im Original gelesen? Ich möchte es bezweifeln. In Schabbat 156a lautet ein Satz: Wer unter Saturn geboren ist, wird ein Mann sein, dessen Pläne zunichte werden, nach anderer Meinung (ראית דאמר), gegen den alle Anschläge zunichte werden. In G.s Uebertragung liest man (S. 59): ״Einige übersetzen ihn: Wer unter [der Herrschaft oder: zur Stunde des] Saturn [geboren wird], wird ein Mann sein, dessen Anschläge alle vereitelt werden werden; andere aber übersetzen: . ...wird ein Mann sein, gegen den alle Anschläge werden vereitelt werden.“ Selbst Bibelverse sind mitunter nicht richtig aufgefaßt. So wird S. 48 behauptet, daß in Mal. B20 das Kommen des Herrn ein Aufgehen der Sonne der Gerechtigkeit genannt wird, obgleich von einem Kommen des Herrn dort keine Rede ist. S. 49 heißt es: ״Ps. 1103 lautet in unserer Bibel ״deine Kinder werden dir geboren wie der Tau aus der Morgenröte.“ In unserer Bibel lautet der Satz: מי־חם משחר לך• טל ילדתך. S. 116 wird aus Deut 16x geschlossen, daß ״das ganze Fest einfach Passah heißt“. Sollte diese durch nichts bewiesene Folgerung auf eine Uebersetzung zurückzuführen sein, in der רע שית mit Feiern statt mit Bereiten wiedergegeben ist? E. B. מבחר השירה העברית למיום חתום כתבי הקדש עד״גלות ישראל מעל אדמת טפדד בשנת ה-א רכ״ב ערוך רמתקן על״ידי חיים בדאדי בדשתתפות מאיר וינר. Auch mit lateinischem Titel: Anthologia hebraica poemata selecta a libris divinis confectis usque ad Judaeorum ex Hispania expulsionem (A. MCCCCXGII) quae digesta atque disposita tractavit H. Brody adiuvante M. Wiener, in der bibliotheca m rndi, Insel-Verlag, Leipzig 1922. Eine vorzügliche Auswahl in schöner Ausgabe, guter Vokaiisation, genügenden Noten und feinem Druck. Die Sammlung ist, wie das schöne Vorwort der Herausgeber besagt, nicht für Anfänger bestimmt, sondern soll mehr dem Kenner die besten Beispiele der hebräischen. Dichtung bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien darbieten. Bei den Liedern religiösen Inhalts erkennen wir dank der fleißigen Arbeit der Editoren, die den Text sicherzustellen bemüht sind, wie mangelhaft die Drucke in unseren Gebetbüchern sind; wir wünschten wohl, daß unsere liturgischen Texte hiernach verbessert und auch in dieser Form, nach Strophen und Versen, gedruckt würden; auch die wichtigen Data der Dichter, die hier ihren Gedichten vorangesetzt sind, könnten in dergleichen Kürze in unseren Siddarim, Machsorim, Selichoth- und Kinoth- Ausgaben sehr wohl Aufnahme finden. Es ist zu wünschen, daß die würdige Aufnahme dieses Bandes die Herausgeber und den Verlag dazu anspornen, ihren Plan, eine Auswahl der Dichtungen der späteren Jahrhunderte bis in die neueste Zeit herauszugeben, bald zu .verwirklichen. A. P 0 s n e r.