Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 2)
- Language
- German
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73 Zum Schluß einige Einzelheiten. Daß רדייא Joma 21a, Ta6anit 25b aus persisch dar ja ׳ entlehnt < ׳sein sollte, wie Scheftelowitz S. 108 annimmt, erscheint mir ganz ausgeschlossen. Zunächst müßte doch die Entlehnung von der. mittelpersischen Gestalt des Wortes ausgegangen sein, diese aber lautet darjäk und steht dem talmudischen Wort noch ferner. Und die als Parallele für die Metathese herangezogene Etymologie von אי־־דיכלא aus durökar, ist selbst keineswegs einleuchtend; mag auch die Deutung als babylonisches ,,arad ekal“ unsicher sein, so wird doch am wahrscheinlichsten ein babylonisches oder sumerisches Wort dahinter stecken. Auch daß die agadische Deutung von אף בייי Hiob 37n (Sifre ‘Eqeb 39) die Bekanntschaft mit avestischem äp vairyä ,,Regenwasser“ reflektiere, erscheint mir sehr weit hergeholt. S. 150 zieht der Verfasser zur Erklärung von כיבא (arab. küb) Becher ein arabisches ,,kawab“ Hinterkopf heran, das aber nicht diese Bedeutung hat. Auch sonst sind bei der Verwertung von Angaben über arabische und islamische Dinge manche Irrtümer untergelaufen. — Zu den paradiesischen. Strömen Jalqut Genesis § 20 führt Sch. zwar Parallelen aus dem Atharvaveda an, übersieht aber die riächstliegenden aus den Sibyllinen II 317 f.und dem slavischeri Henoch. 85 ff. Josef Horovitz. Prof. Oswald Gerhardt: Der Stern des Messias. 144 S. 8°. Leipzig-Erlangen 1922, A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung. ״Der Stern des Messias“ ist der Stern, von dem in Mtth. 2!—2 erzählt wird, daß Magier des Morgenlandes aus seinem Erscheinen in den Tagen des Königs Her ödes die Vermutung schöpften, der Messias wäre eben geboren. Der Verfasser ist von der Geschichtlichkeit dieses Berichtes überzeugt und gibt sich die redlichste Mühe, den zweifelnden Leser zu seiner Ansicht zu bekehren. Durch eine instruktive Darstellung der astrologischen Grundlagen für die Annahme der Magier und eine philologische Beleuchtung des griechischen Textes sucht er den Nachweis zu führen, daß es sich um eine Konjunktion von Saturn und Jupiter im Zeichen der Fische handeln müsse, die im Jahre 7 vor der christlichen Zeitrechnung tatsächlich stattgefunden, dieses daher als Jesu Geburtsjahr anzusehen sei. Er stützt sich dabei u. a. auf eine Bemerkung in Ibn Ezras Danielkommentar (Kap. 11), laut welcher R. Schlomo (Gerhardt schreibt jedesmal: Samuel) ben Gabirol das Ende der Leidenszeit an die großen Konjunktionen der zwei oberen Planeten geknüpft haben soll, hauptsächlich aber auf Abrabanels מעיני הישועה, wo auf eine um die Zeit der Geburt unseres Lehrers Mosche im Zeichen der Fische eingetretene Saturn-Jupiter-Konjunktion hingewiesen und aus ihrer Wiederkehr im Jahre 5224 (1464) auf die Geburt des Messias geschlossen wird. Sehr genau und mit gediegener Sachkenntnis werden hernach vom Verfasser die Bahnen dieser Planeten vom Oktober des Jahres 8 bis Februar des Jahres 6 verfolgt, ihre helio- und ihre geozentrischen Oerter nach Länge und Breite wie nach Rektaszension und Deklination festgestellt, ihr Azimut im Auf- und Untergang ,wie ihre Höhe im Meridian er-, mittelt und schließlich die Frage, ob die Magier sie auf der ansteigenden Straße von Jerusalem nach der Hügeistadt Bethlehem bei unbedecktem Himmel vor sich zu sehen in der Lage waren, nach sorgfältiger Prüfung aller in Betracht kommenden Umstände bejaht. Ein letztes Kapitel beschäftigt sich mit dem Datum der Kreuzigung. Gerhardt entscheidet sich für Freitag, den 7. April des Jahres 30. Ob dies der 14. oder der 15. Nisan gewesen, bleibt bei dem Widerspruch zwischen Markus und Lukas auf der einen und Joh. auf der anderen Seite ein offenes Problem, das durch Rechnung nicht gelöst werden kann, weil es damals einen festen jüdischen Kalender noch nicht gab. Die in alten Talmudausgaben hierüber noch vorhandene, später durch die Zensur gestrichene Notiz (Synh. 43a: בערב דפסח תלוהו לישו) ist dem Verfasser, der das zweite Datum vorzieht, wohl unbekannt gewesen. Die Arbeit zeugt von großer Belesenheit und gründlicher Beherrschung der verschiedensten Wissensgebiete. Es ist erstaunlich, welche Fülle von Material hier zusammengetragen und verarbeitet wurde. Selbst das Märchen von der Anbetung eines Esels im heiligen Tempel war nicht zu albern, um unter Berufung auf eine verblüffende Menge unzuständiger Gewährsmänner herbeigeholt und als Stütze verwertet zu werden. ,,Wie weit die Onolatrie,“ heißt es S. 97, ,,im Volk der Juden eingerissen war, ist nicht festzustellen; jedenfalls hing sie eng mit der Verehrung des Saturn zusammen.“ Leider ist