Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- [Rezension] / E.
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn auch wenige Leser N. in Bezug auf seine Lebensanschauung beipflichten werden, so hat er doch dazu beigetragen, daß weite K ehe von Delitzschs Schrift Abschied nahmen mit dem Urteil: Der Berliner Professor hat durch dieses Werk seinen großen Verdiensten ein neues hinzugefügt, trotz deren Größe vielleicht das größte» Er hat der deutschen Wissenschaft gezeigt; wohin ihr Weg führt, wenn sie sich von Parteiinteresse und Klassenhaß leiten läßt. Er führt — zu ihrem Untergang. E. Scheftelowitz* I.: Die altpersische Religion und das Judentum. Unterschiede, Uebereinstimmungen und gegenseitige Beeinflussungen. VIII. 240 S. Gießen, Töpelmann, 1920. Von den bisherigen Darstellungen der Beziehungen zwischen Parsismus und Judentum erfüllt kaum eine die selbstverständliche Forderung nach Heranziehung der Quellen in ihrem vollen Umfang. Schon nach dieser Richtung bedeutet das Buch von Sclieftelowitz einen großen Fortschritt; so reichhaltig wie bei ihm, findet man den Stoff sonst nirgends beisammen. Aber auch in methodischer Hinsicht unterscheidet es sich von seinen Vorgängern insofern, als es grundsätzlich sowohl die Frage nach dem ersten literarischen Auftreten der in Betracht kommenden Vorstellungen und Einrichtungen stellt, wie auch ihrem Vorkommen in dritten, von Judentum und Parsismus nicht berührten, Gebieten nachgeht. Es ergibt sich so, daß manche für zarathustrisch gehaltene Vorstellungen in Wirklichkeit erst in späten Phasen des Parsismus nachweisbar sind und daß die Uebereinstimmungen sich vielfach keineswegs auf den Bezirk der beiden Religionen beschränken, sondern weit über ihn hinausgreifen. Der Verfasser wendet dabei vor allem auch der Welt der Primitiven seine Aufmerksamkeit zu und erkennt in vielen, Judentum und Parsismus gemeinsamen Gebräuchen und Anschauungen, Ueberbleibsel aus von den geläuterten Ideen ihrer Lehre längst überwundenen Stufen der Ent- Wicklung. Während so die Zahl der Entlehnungen eine erhebliche Einschränkung erfährt, erweist sich, der Judentum wie Parsismus gemeinsame Untergrund als weit über deren Grenzpfähle hinaus- und in frühzeitliche Stadien menschlichen Vorstellungslebens zurückreichend. Das Buch gliedert sich, abgesehen von der kurzen Einleitung, in welcher die biblischen Anspielungen auf persische religiöse Gebräuche behandelt werden, in zwei Teile, einen kürzeren ,,Wesentliche Unterschiede zwischen Judentum und Parsismus“ und einen längeren (S. 25—229) ,,Gleichartige Religionsvor- Stellungen“, woran sich dann noch Nachträge, Berichtigungen und Indizes schließen. An solchen ,,gleichartigen Vorstellungen“, denen je ein besonderes Kapitel gewidmet ist, seien hier die folgenden aufgezählt: Dämonenglaubei Dynamismus, Magie, Apotropaea, Bedeutungsvolle Zeichen, Mythen, Sagen und Legenden, Sittlichkeitslehren, Kultushandlungen, Sitten, Gottesvorstellung, Engelglaube, Unsterblichkeitsglaube, Schicksal der Seele, Himmel und Hölle, Auferstehung. Der Verfasser ist in der jüdischen Literatur nicht minder belesen, als in den Veden, dem Avesta und den mittelpersischen Schriften, und daß er überall auf die Texte in der Ursprache zurückgehen kann, mag diese Hebräisch, Aramäisch, Iranisch oder auch Indisch sein, ist kein geringer Vorzug; keiner seiner Vorgänger ist sprachlich so vortrefflich ausgerüstet an die Arbeit gegangen wie er. Wenn trotz so günstiger Voraussetzungen das Buch nicht überall ganz die Erwartungen erfüllt, mit denen man an die Lektüre herantritt, so liegt das daran, daß der Verfasser nicht immer der Stoffmassen Herr geworden ist, die er aufgespeichert hat oder richtiger, sich nicht immer die Zeit gegönnt hat, sie zu meistern. Man lese z. B. § 39 ,,Göttliche Lichtsubstanz“: eine Fülle von Material aus den verschiedensten Gebieten, ohne daß man darüber zur Klarheit gelangte, wie der Verfasser selbst über die Zusammenhänge denkt. So außerordentlich wertvoll das Buch als kritisch geordnete Materialsammlung ist, eine abschließende Darstellung der Beziehungen zwischen Judentum und Parsismus bietet es noch nicht. Vielleicht hat der Verfasser selbst eine solche sich noch für später Vorbehalten; wenigstens spricht er öfters davon, daß er andere dazu noch notwendige Vorarbeiten (Beziehungen zwischen Juden und Persern, iranische Lehnwörter in der jüdischen Literatur) bereits in Angriff genommen habe. Aber auch in seiner jetzigen Gestalt wird das Buch sich bald, als ein unentbehrliches Hilfsmittel der Forschung erweisen.