Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Protokoll der außerordentlichen Mitgliederversammlung [der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums] am 2. März 1922 [Nachricht] / Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 2)
- Language
- German
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Protokoll der Äusschußsitzung vom 2.. März 1922, abends %8 Uhr, im Anschluß an die außerordentliche Mitgliederversammlung in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin N., Artilleriestraße 14. Anwesend: .Heinemann, Karger, Sobernheim, Weil. Der Ausschuß konstituiert sich und wählt die bisherigen Vorsitzenden, den Schriftführer und den Schatzmeister wieder. Zum stellvertretenden Schriftführer wird Herr Karger gewählt. Schluß der Sitzung 8 Uhr. gez. Sobernheim. Geschäftsbericht für das Jahr 1921. Wiederum hat der Ausschuß der Gesellschaft schwere Verluste zu be־v klagen: Am 5. .März 1921 verstarb hochbetagt der gelehrte Rabbiner D r. R 0 s e n t h a 1, Breslau, der seit dem Jahre 1904 Mitglied des Ausschusses war. Kurz darauf verstarb Herr Seminarrabbiner D r. H o r 0 v i t z in Breslau. Er gehörte zwar dem Ausschuß noch nicht lange an, war aber durch seine wissenschaftlichen Arbeiten mit der Gesellschaft seit vielen Jahren aufs engste verbunden. Von Anfang an war er Mitglied der Kommission für das Corpus Tannaiticum, und das einzige bisher erschienene Werk dieser Sammlung, der Siphre, ist von ihm bearbeitet worden. Mit der Drucklegung der Mechilta beschäftigt, erlag er schwerer Krankheit. Ferner verlor die Gesellschaft durch den Tod das langjährige Ausschußmitglied, Herrn Rabbiner Dr. Poznanski in Warschau, unstreitig den größten jüdischen Gelehrten und einen der bedeutendsten Repräsentanten des Judentums in Polen. Er verschied unerwartet auf der Höhe des Lebens und in der Vollkraft seines Schaffens. In früheren Jahren hat er sich an den Arbeiten des Ausschusses sehr rege beteiligt; die Verhältnisse der letzten Zeit machten ihm die Reise zu unseren Sitzungen unmöglich. An der Monatsschrift hat er bis zuletzt eifrig mitgearbeitet. Auch das neue Kalenderjahr brachte der Gesellschaft einen schmerzlichen Verlust. Am 24. Januar ist Herr Rabbiner Dr. Nobel in Frankfurt a. M., nachdem er kurz vorher seinen 50. Geburtstag gefeiert hatte, einer kurzen Krankheit erlegen. Die Nachricht hat überall in der Judenheit tiefen Schmerz ausgelöst und schwere Bestürzung hervorgerufen. Sein Name erfreute sich bei allen Richtungen hohen Ansehens und aufrichtiger Beliebtheit. Dazu genoß er als Gelehrter und als Denker große Autorität. Unserer Gesellschaft gehörte er seit 1914 als Ausschußmitglied an; 1919 haben wir ihn in den Vorstand gewählt. Dankbar gedenken wir auch des Herrn Moritz Wolfsohn, der im hohen Alter von 77 Jahren infolge eines Unfalls unerwartet aus dem Leben abberufen wurde. Wie wenige nur von der Bedeutung der Wissenschaft für die Erhaltung des Judentums durchdrungen, betrachtete er ihre Förderung als heilige Pflicht. Seit einer Reihe von Jahren hat er unermüdlich und unverdrossen für die Gesellschaft sich eingesetzt und ihr eine große Anzahl Stifter, immerwährender und ordentlicher Mitglieder zugeführt. Die über- 6*