Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
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Sichten empor, wo Zeitliches im Glänze des Ewigen verschwebt. ׳Ob er über Militarismus und Pazifismus, über Gottesgnadentum oder Volkssouveränität, über die soziale Frage, über * die Frauenfrage oder über Erziehungsfragen spricht, immer weiß er das Problem mit wenigen kräftigen Strichen zu skizzieren, die Möglichkeiten der Lösung aufzuzeigen und in besonnen abwägendem Urteil die Antwort des Judentums in der Sprache unserer Zeit zu geben. Ein Geist* abgeklärter Weisheit leuchtet aus den Worten; ein bewundernswertes pädagogisches Geschick lenkt Gedanke und Ausdruck, entwirrt die Fäden und versteht dem eignen Nachdenken mit leichtem Griff zu Hilfe zu kommen. Jeder Vortrag steht geschlossen da, und doch fügen sich alle zu harmonischer Einheit zusammen. Edel in der Diktion, treffend im Bilde, belebend im glücklich gewählten Zitat: so strömt die Darstellung dahin und trägt Hörer und Leser anmutig zur Erkenntnis der unverbrauchten Kraft jüdischer Lebensanschauung. Volkstümlichkeit kann viel und wenig besagen. Hier besagt dieses Wort viel, sofern es nicht Flachheit und Oberflächlichkeit bedeutet, sondern Tiefe bei aller Verständlichkeit, denkerische Kraft ohne Mühsal der Darbietung. Volkshochschulkurse sollen nicht nur Theorie geben. Sie sollen auch Lebensimpulse wecken; sie sollen den Hörer auch im Besten seiner Gesinnung stärken, sie sollen nicht nur erhellen, sie sollen auch erwärmen. Beides, Licht und Wärme, geben diese Vorträge. Judentum und Deutschtum in ihren edelsten Traditionen sprechen zu uns; dem Alter und der Jugend gewähren sie Belehrung und Stärkung. Ich möchte sie vorbildlich heißen, ob der Art, wie sie politische Fragen metapolitisch behandeln. Mögen sie den Leserkreis finden, der ihrem inneren Werte entspricht. Darmstadt. J. Goldstein. ’S. Klein,, Jüdisch-palästinisches corpus inscriptionum (Ossuar-, Grab- und Synagogeninschriften). R. Löwit Verlag, Wien und Berlin 1920. Das Verdienst der vorliegenden Schrift ist nicht allein die Sammlung der Ossuar-, Grab- und Synagogeninschriften, sondern insbesondere die Heranziehung talmudischer Quellen zu ihrer Erforschung; so ist hier epigraphische Kenntnis auf hebräischem und griechischem Gebiete wie auch Beherrschung der zeitgenössischen rabbinischen Literatur erforderlich; über beides verfügt der Verfasser; zudem hat er sich, wie er im Vorwort selbst bemerkt, der Beihilfe vieler jüdischer und nichtjüdischer Gelehrten — ich nenne nur Löw, Szegedin und Dalman, Greifswald (jetzt Palästina) — bedient, die dem Werke zum Vorteil gereichten. Der größte Teil der Ossuar- und Grabinschriften stammt aus der . Umgebung Jerusalems; dennoch weisen viele neben den hebräischen auch griechische Namen auf, ein beredtes Zeichen der Hellenisierung des heiligen Landes in dem 1. vor- und nachchristlichen Jahrhundert. Dies zeigen in noch höherem Grade die Inschriften aus der Nekropole von Joppe, die bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert reichen. Die Tatsache, daß solche Grabdenkmäler, oft auch mit Insignien, wie dem Palmzweig oder der שלוט-Formel, sich finden, beweist, daß solche מצבות oder in j. Sekalim II. 7. נפשות genannt, nicht verboten, sondern nur für überflüssig erachtet werden. Nur in Judaea sind die Inschriften gefunden, was Klein durch genaue Interpretation der Worte im Traktat Semahot c. 12. 13 אדון . . '. . . של עץ richtig dadurch erklärt, daß sich die in Galiläa verwandten hölzernen Beinkästchen nicht erhalten haben. Im Gegensatz hierzu entstammen die Synagogeninschriften fast