Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension] / Wiener, Max
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Micha Josef bin Gorion: Die Sagen der Juden. 3. Bd. Die 12Stämme. Frankfurt a. M. Rütten u. Loening 1919. In diesem 3. Bande ist der Stoff, der sich an die Genesis anlehnt, wohl im wesentlichen erschöpft. Aus den beiden ersten Bänden, welche die Sagenkreise ״Urzeit“ und ״Erzväter“ enthalten, ist die von Micha Josef bin Gorion ״verfolgte Methode in der Darbietung der Midraschim bekannt. Der Sinn des ganzen Werkes zielt durchaus darauf, möglichst vollständig mit dem stoffliehen Gehalt dieser Schätze bekannt zu machen. Auf welch breiter Grundläge diese Absicht ausgeführt wird, das zeigt das diesem Bande beigebene Verzeichnis der verwendeten Bücher. Denn die aus Bibelkommentaren, mystischen Werken, Chroniken, Reisebeschreibungen geschöpften Materialien bilden eine außerordentlich wichtige Ergänzung für das klassische Schrifttum von Talmud, Midrasch, Targum, das natürlich immer der Ausgangspunkt bleiben muß. Es liegt in der Natur dieses Buches, daß eine reinliche Scheidung der Quellen mit einer einigermaßen strengen Gliederung des Stoffes nach inhaltliehen Gesichtspunkten nicht gut verbunden sein kann. Der Verfasser macht in der Vorrede darauf aufmerksam, daß die verschiedenen Quellen in diesem Bande nach Möglichkeit voneinander getrennt erscheinen. Immerhin durfte unter diesen philologischen Erwägungen nicht die Absicht des Ganzen leiden, daß das Werk eine systematische Darstellung des Inhaltes der jüdischen Sagenwelt sein sollte. Die eingehenden Quellennachweise genügen vollständig im rein-literargeschichtlichen Interesse. So wird denn tatsächlich die Hauptsache wohl getroffen, daß an der Hand der durch den biblischen Bericht selbst gebotenen Ordnung die unabsehlichen Verästelungen, welche die von der Genesis gebotenen Motive in ihrer langen Entwicklung empfangen haben, zu klar überschaubarer Darstellung gelangen. Alle Schwierigkeiten, die einer unbedingt befriedigenden Einteilung und Gruppierung des Stoffes entgegenstanden, konnten natürlich nicht überwunden werden. Es ist z. B. nicht recht ersichtlich, warum I, 1—Makom — unter die Gruppe ״Mythisches“ gehören soll; weswegen ferner XXIX — ״Kabbalistisches“ — von dem Mythischen, zu dem es seinem Gehalt nach großenteils gehört, streng abgesondert ist. Hier greift offenbar die Gliederung aus Gründen der Quellensonderung über Gebühr Platz. Aber diese Kleinigkeiten können bei dem Gesamturteil nicht in die Wägschale fallen. Bin Gorions Werk hat das große Verdienst, den Weg in die jüdische Sagenwelt zu öffnen. Daß er es in. einer Sprache tut, deren einfache klare Knappheit dem Geist der hebräischen Laute nahe verwandt ist, bildet einen außerordentlichen Reiz. Die Stimmung des Originals weht aus dieser Bearbeitung. Max Wiener-Stettin. I. Heinemaun: Zeitfragen im Lichte jüdischer Lebensanschauungen. 1921. J. Kaufmann Verlag, Frankfurt a. M. 143 Seiten. Preis 10,50 Mark und Zuschlag. Welche neuen Möglichkeiten liegen doch in der Volkshochschule! In der gefälligen Form von volkstümlich gehaltenen Vorträgen hat Dr. I. Heinemann vor dem Publikum der jüdischen Volkshochschule in Breslau im November und Dezember 1919 bewegende Fragen der Zeit in überzeitlichem Geiste behandelt; alles gelehrte Beiwerk ist vermieden (nur einige Anmerkungen am Ende der Schrift geben Literaturnachweise), nirgends stören polemische Abschweifungen; in al fresco-Zügen baut der Redner die Gedanken vor uns auf; anknüpfend an die Aktualitäten des Tages steigt er zu weiten