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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 1 · p. Seite 68

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1922-01-01
Page
Seite 68 (sequence 2)
Language
German
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im Sinne Hillels die Antwort gibt. Er zeigt, daß in der Tat das Wesen des Judentums jene religiös begründete Humanität ist, die bewußt oder unbewußt unserer modernen Erziehung, unserer Rechts- und Wohlfahrtspflege als ideale Voraussetzung zugrunde liegt. Die Lehren des Judentums vom Glauben an Gott, an uns selbst, an den Mitmenschen und an die Menschheit, die Bäck in den Mittelpunkt seiner Darstellung stellt, und auf der anderen Seite der humane Zug des modernen Kulturideals stehen nicht nur nicht im Wider- Spruch, sondern stützen und rechtfertigen sich gegenseitig. So wird dem Lesersein gutes Recht, ja seine Pflicht, sich als moderner Mensch zum Judentum zu bekennen, erwiesen durch eine Darstellung, die auf umfassender Beherrschung der biblischen und nachbiblischen Literatur1 * * beruht, auch andere Religionen heranzuziehen weiß und aus dem Glauben an Wert und Sendung des Judentums eine eindringliche V'ärme schöpft. Der gemäßigt liberale Standpunkt des Verfassers zeigt sich in der ständigen Betonung des Ent- Wicklungsgedankens (vergl. aber S. 38 über die Unüberbietbarkeit der prophetischen Religion und S. 286 gegen den Ausdruck: Zeremonialsatzungen), sowie in der Ablehnung des nationalen Gehalts jüdischer Frömmigkeit, tritt aber nie in schroffer Polemik hervor. Wie die erste Auflage im Gegensatz zu Harnack zeigte, daß das Judentum das geschichtliche und sächliche Recht hat, die Werte als sein Erbgut in Anspruch zu nehmen, in denen heute der liberale Protestantismus das Wesen des Christentums sehen will, so wird auch die zweite, infolge der Studien und Erfahrungen des Verfassers aufs Doppelte gewachsene Ausgabe vielen den Glauben an ihr Judentum wiedergeben und den Wunsch nach weiterer Vertiefung in ihnen wecken. Denn allerdings weist Bäcks Buch offensichtlich über sich hinaus. In der schönen Schlußbetrachtung über die ,,Erhaltung des Judentums6‘ lehrt es ausdrücklich, daß das Judentum ,,unmodern66 sein müsse (Seite 283); denn, wie es Bäck an anderer Stelle ausgedrückt hat: ,,Wir sind anders, um für die anderen etwas sein zu können; denn man kann anderen etwas sein, nur wenn man ein eigener ist“ (Jüd.-lib. Ztg. II Nr. 14). Worin aber dies Eigene, Unmoderne liegt, wird aus unserem Buch (trotz mancher feinsinnigen Bemerkung des ersten Teils über den ,,Charakter des Judentums66) nicht anschaulich; die Ablehnung des christlichen Dogmas ist ja nichts weniger als unzeitgemäß. Aber die Frage nach dem eigenen Wert und der eigenen Färbung jüdischer Lebensstimmung geht freilich weit über den Rahmen dieses Buches hinaus, das sich bewußt auf erste Antworten beschränkt, und, wie es sich in Bezug auf die Grundfragen des religiösen Weltbildes oder etwa auf die Abgrenzung des Heiligen und des Sittlichen (vergl. S. 54 und 82) mit ganz leichten, einführenden Andeutungen begnügt, so auch bei der Darstellung des Judentums an so manchem Zug vorbeigeht, der, wenn nicht ,,wesenhaft“, so doch für die geschichtliche Aus- Wirkung des Judentums höchst ,.wesentlich“ gewesen ist. Es ist keiner der geringsten Vorzüge des Buches, daß es die Lust nach weiterer Belehrung und Versenkung in jüdische Lehre und jüdisches Leben erweckt und dem suchenden Leser mit Hillel zuruft: ,,Dies ist das Wesen des Judentums. Nun geh und lerne!“ Heinemann. 1 Beiläufig: Mal 213 darf nicht (S. 205) als Beweis für den Universalismus angeführt werden. Zur Auffassung vön אל נקמות (S. 72) vgl. meine Aus- .führungen Jeschurun V 381 ff.

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