Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 8)
- Language
- German
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50 Die Steilung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen in südpreußischer Zeit ernstlich erwogen wurde, die Juden zur Übernahme des staatlichen Vorspannwesens heranzuziehen1), und daß in Neuostpreußen die ersten, genauen Pläne zur Verwendung der Juden im preußischen Heere — als Kavalleristen oder Trainfahrer — auftauchten2). . Die Beziehungen, die Landwirtschaft und Pferdehaltung miteinander verknüpften, waren im wesentlichen nur äußerlicher Art und lassen jedenfalls keinen Schluß von der Beteiligung an der einen Beschäftigung auf die bei der anderen zu. Es steht vielmehr fest, daß die süd- und neuostpreußischen Juden in der eigentlichen Landwirtschaft — trotz einzelner Nachrichten3) — nur in verschwindendem Maße vertreten waren. Wenn auch überall die Behauptung wiederkehrt, daß die Juden in Polen auch Äckerbauer gewesen seien4), so scheint das doch in nennenswerter Zahl nicht vorgekommen zu sein: in dem die heutige Provinz Posen bildenden Teil von Südpreußen war jedenfalls kein Jude selbständiger Landwirt5 6). Bei den von den Reiseschriftstellem erwähnten ג) Geh. St. A. Rep. 96. 242. A. v. V. 29. (Gen.-Ber. der südpreußischen Organisationskommission.) 2) Geh. St. A. Gen. Dir. N. O. P. Tit. CXG Nr. 9. Auch die von Colmar v. d. Goltz: Von Roßbach bis Jena (II. Aufl. Berlin 1906) S. 303 erwähnte Denkschrift des Generaldirektoriums v. 18. 4. 1806 begründet die in Aussicht genommene militärische Verwendungder Juden aus den neuen östlichen Provinzen damit, daß gerade sie mit der Pflege der Pferde sehr vertraut und mit dem Fahren sogar vertrauter seien als die übrigen Landleute, ,,was in der Nationalität beruhet und die tägliche Erfahrung beweise.“ 3} Nach ähnlicher Richtung zielende Zitate finden sich später־ in der Denkschrift von Klewitz v. 7. 12. 1825. Geh. St. A. Min. d. Innern, Rep. 77 XXX 5ל v. I. 4) Kausch I, 191 (,,seit unvordenklichen Zeiten“). Franz. Renß: Dohms Schrift über d. bürgerL Verbesserung d. Juden (Kaiserslautern 1891) passim. 6) J. Landsberger: Jüdische Ackerwirte in südpreuß. Zeit.. M. I. 177. Bloch 611.