Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 6)
- Language
- German
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48 Die Stellung der Juden in den 1793 und 17,95 von Preußen Wenn Juden öfters als Dolmetscher erwähnt werden, so war das Dolmetschen doch wohl kein eigentlicher Beruf, sondern hing damit zusammen, daß die Juden, die den Jargon, das Judendeutsch, sprachen11), die Vermittlung zwischen nur Deutsch Verstehenden und der polnischen Bevölkerung übernehmen konnten2), was u. a. auch den preußischen Truppen sehr zustatten kam3). Die Beteiligung der Juden am Handwerk galt in derseihen Weise und in ähnlichen Verhältnissen für alle von Preußen erworbenen polnischen Provinzen. Im Jahre 1773 hatte der Geheime Finanzrat Rhoden vom Netzedistrikt aus ärgerlich an den Großkanzler geschrieben: Hier ist es mir zu toll mit allen Juden. Will ich einen Chirurgen haben, kommt ein Jude, ein Tischler, ein Jude, Schlächter, Bäcker, Juden, alle möglichen Handwerker sind Juden4); und die ״Tabelle von den Handwerkern der jüdischen Nation in ־Neuschlesien" zeigt, daß auch in diesem kleinen Gebietsstreifen ,,alle möglichen Handwerker Juden waren.“ Nach dieser Tabelle gab es unter den neuschlesischen Juden 25 Bäcker, 23 Branntweinbrenner, 2 Buchbinder, 9 Chirurgen, 4 Doktoren, 1 Drechsler, 24 Fleischer, 3 Fuhrleute, 6 Glaser, 2 Gerber, 1 Gelbgießer, 6־ Goldschmiede, 1 Hutmacher, 7 Hebammen, 39 Kürschner, 3 Müller, 6 Musikanten, 1 Nachtwächter, 1 Papiermüller, 2 Ffefferlcüchler, 4 Pottaschsieder, 16Posamentierer, 18 Seifensieder, 1 Schleifer 2) Holsche I. 267 erkennt ans der Sprache, wie Warschauer — Z. XXV. 227 — rühmend hervor hebt, den deutschen Ursprung der polnischen Juden. 2) B. M. XVIII. 165. Schulz I. 22, IV. 198. Lebenserinnerungen des Gen.-Lieutn. Karl v. Wedel 1783—1858, herausgegeben von Gurt Troger I, (Berlin 1911) 12 f. 3) F.. A. L. v. d. Marwitz: Ein deutscher Edelmann im Zeitalter der Befreiungskriege. Herausgeg. v. F. Meusel I. (Berlin 1908) 102: ״Wir rückten (1794) nach Szubin, einer Judenstadt, welches allemal ein Glück war, weil die Juden . . . sämtlich deutsch reden.“ 4) Bär, I. 426 Anm. 1.