Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jacob Guttmann [Nachricht]
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Aeltesten auf dem Felde seiner eigenen Tätigkeit sich heimisch machen und in den Kreisen der Fachgenossen täglich mehr an Ansehen und Anerkennung gewinnen sah. So wandelte Jacob Guttmann in Wahrheit auf der Sonnenseite des Lebens, wie es nicht Vielen unter uns beschieden ist. Wenn auch sein warmes, mitfühlendes Herz alle Leiden seiner Mitmenschen und besonders die traurigen Schicksalsschläge der letzten Jahre tief und nachhaltig empfand, so bewahrte er sich doch die Kraft, immer wieder hinaufzublicken zu den ewigen, unveränderlichen, göttlichen Gesetzen der Wahrheit, Gerechtigkeit und Güte. Aus dem innersten Quell seines Wesens entsprang seine ideale Weltauffassung, so daß alles, was er dachte, sprach und schrieb, der natürliche Ausdruck seiner Persönlichkeit wurde. Trotz seines feurigen Temperaments, das sich auf der Kanzel oft in heiligem Eifer gegen alles Unwahre und Gemeine wendete, war Guttmann ein Mann des Friedens und der Versöhnlichkeit und verstand es dadurch die Anerkennung und das Vertrauen nicht nur seiner Gemeinde, sondern auch der Glaubensgenossen aller Richtungen zu gewinnen. Wie auch der Einzelne zu seinem Gotte stand — da gab es für ihn keinen Unterschied — sie alle waren seine Brüder. Wie es sich für einen treuen und stets opferbereiten Seelsorger gebührt, scheute er keine Mühe, wenn es galt, Not und Sorge zu lindern und fernzuhalten. Wie ein Bruder nahm er sich jedes Gebeugten an, wenn er glaubte wirklich helfen zu können, und Eintracht und Frieden suchte er überall zu stiften,