Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 61 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen. 1. Curt Trützschler von Falkenstein, Die Lösung der Judenfrage im Deutschen Reiche. Falken-Verlag zu Darmstadt 1917. 2. Walther Rathenau, Eine Streitschrift vom Glauben. J. Fischer, Verlag, Berlin 1917. 3. Eduard Bernstein M. D. R. Von den Aufgaben der Juden im Weltkriege. Berlin. Erich Reiss, Verlag 1917. Von diesen drei mir zur Besprechung vorliegenden Schriften beschäftigen sich die erste und zweite (diese allerdings nur als Antwort auf die erste) mit der Juderafrage, die dritte mit einer jüdischen Frage. Man muß beide Ausdrücke wohl auseinanderhalten: in dem ersteren sind die Juden Gegenstand der Frage, in dem anderen ist die Frage ein Gegenstand der Juden. Damit wende ich mich sogleich zu Nr. 1. Die Schrift des Herrn v. Trützschler ist ohne Frage die Frucht einer Vereinigung von aufrichtiger christlicher Frömmigkeit, vornehmer Gesinnung, reicher Bildung und warmer Teilnahme für die Juden. Als solche besitzt sie ihren Wert und wird ihn behalten. Dagegen halte ich die »Judenfrage« für nichts anderes, als für eine auf materielle Vorteile oder Geschäftszwecke angelegte Konstruktion der Antisemiten, die sich diesen Namen gleichsam als eingetragene Firma zum Betrieb der von ihnen aufgeworfenen »Judenfrage« beilegten. Es gibt immer Projektenmacher, die auf leichte Weise vorwärts kommen wollen. Da ihnen kein anderer Gedanke zur Hand war, konstruierten sie die »Judenrage« zu einer Zeit, in der in Deutschland der mittelalterliche Judenhaß längst überwunden war, als Neubelebung desselben, womit sie Erfolg hatten, da es immer viele Leute gibt, die im Gegensatz zu der Sophokleischen Devise sagen: »Nicht mitzuteilen, sondern mitzuhelfen bin ich da.« Schon der Talmud, der in dieser Sache einige Erfahrung hatte, stellt die Behauptung auf: »Wer die Juden bedrängt, gelangt an die Spitze.« Eine Bestätigung dieses Satzes aus neuerer Zeit bildet