Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen. 79 Levy, Max, Der alte isr. Friedhof zu Worms a. Rh. 12 Kunstblätter m. Vorw. Worms, Chr. Herbst. In vorzüglichen photogr. Aufnahmen werden Oesamtansichten und einzelne Grabsteine des bis ins 13. Jahrh. zurückreichenden Friedhofes vorgeführt. Charakteristisch ist hier die Form der Grabmäler durch die ausgesprochene, rahmenartig-vorstehende Einfassung der Stelenform und durch die bewußten Anklänge an romanische Dekorationsmotive, für welche ja die alte Synagoge und der herrliche Dom Vorbilder lieferten. Auch hier herrscht die auf alten Judenfriedhöfen allgemein übliche Gleichartigkeit in Höhe und Größe der Monumente, wodurch jene erhabene, stimmungsvolle Ruhe gezeitigt wird, welche die neuzeitliche Kunstliteratur immer wieder als vorbildlich rühmend hervorhebt. Und wenn die berühmte Familie Oppenheim, (Taf. 11) offenbar in Würdigung ihrer gemeindlichen Verdienste, einen besonders ausgezeichneten Grabstein erhielt, so ist die hier angewandte Dekoration ebenso reizvoll als bescheiden sich den Abmessungen der benachbarten Steine anpassend. Diese »Gleichartigkeit und Zusammengehörigkeit der Begrabenen«, die ihren Ausdruck in den fast einheitlichen Grabmalern findet, zeigt sich bekanntlich auf allen alten jüdischen Friedhöfen. Auffallend und den künstlerischen Wert der Wormser Steine herabmindernd ist jedoch die vertiefte, eingravierte Beschriftung; die von Kunstkennern vielgerühmte, erhabene Schrift, welche für die älteren Grabsteine aller Bekenntnisse charakteristisch ist, scheint hier nicht üblich gewesen zu sein. Die photographischen Aufnahmen, von denen man noch gerne eine größere Zahl zu sehen wünschen wird, bringen die Inschriften überaus klar und scharf. Der Levy’sche Text bietet gutes Material; nur hätte inan auch hier gerne mehr erfahren, besonders Geschichtliches. Ebenso wäre es erwünscht gewesen, mehr Grabsteine der Familie Bacharach vorzuführen. Immerhin ist die kleine Arbeit eine wertvolle Ergänzung der Levysohn’schen und Rothschild’sehen Schriften über diese altehrwürdige Gemeinde. Beachtenswert ist die versuchte Erklärung des (m. W. bei den böhmischen Juden) üblichen und auch hier stellenweise geübten Belegens der Grabmäler mit kleinen Steinchen unter Hinweis auf I. B. Mos. 35,20: ferner die von Maharil für sein Grab gewünschte uud auch durchgeführte Ausrichtung von Nord fnach Süd. Die von Levy als »neuen Brauch« bezeichnete Hinterlegung von Wunschzettelchen auf die Gräber bedeutender Rabbinen ist eine leider immer mehr auf-