Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein Memorandum der russischen Regierung
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Memorandum der russischen Regierung. Efn Beitrag zur Geschichte der Juden in Rußland. Von Josef Meisl. Im Jahre 1840 wurde in Petersburg auf Befehl Kaiser Nikolaus I. ein »Komite zur Beschlußfassung über Maßnahmen für eine radikale Reorganisation der Juden in Rußland« eingesetzt. Dieses Komitee, das im wesentlichen nur die Fortsetzung einer früheren gleichartigen Institution bedeutet, verfaßte ein Tätigkeitsprogramm, welches eine Kritik der jüdischen Lage und Vorschläge über die diesen Zuständen gegenüber zu ergreifenden Maßnahmen enthielt. Dieses Memorandum, das die Allerhöchste Genehmigung erhielt, wurde dann den Generalgouverneuren des Ansiedelungsrayons zur Einsichtnahme übersandt. Der weiter unten an־־ zuführende Inhalt dieses Dokumentes, das ein getreues Bild der damals und noch heute in russischen Regierungs־ kreisen herrschenden Meinung über die Juden gibt, wird erst dann recht verständlich, wenn man den Charakter der damaligen Zeit, soweit es die jüdische Frage betrifft, festhält Die Regierungszeit Nikolaus 1. kann in zwei scharf getrennte charakteristische Abschnitte geteilt werden. Im ersten derselben (1825—1840) versuchte die Regierung durch Zwangsmaßregeln eine Änderung der jüdischen Lage herbeizuführen, während im zweiten (1840—1855) das System ausschließlicher Repressalien fallen gelassen wurde und g ewaltsam zivilisatorische Maßnahmen zur An- Wendung gelangten. Ganz unvorbereitet, mit »der Plötzlich״ keit und Gewaltsamkeit von Kriegszeiten« hatte die Regierung mehrere Gesetze über die Erfüllung der Militärpflicht seitens der Juden erlassen, die so hart waren, daß noch heute die Juden mit Schmerz jener Zeiten gedenken. Monatsschrift, 54, ahrgang. 1