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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 1 · p. Seite 113

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1909-01-01
Page
Seite 113 (sequence 6)
Language
German
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Besprechungen, 113 nicht ohne Einschränkung gelten lassen. Auf Innocenz sind auch, abgesehen von den Beschlüssen des Laterankonzils, die Exzesse des Simon von Montfort zurückzuführen. Während dieses vom Papst inszenierten Kreuzzuges erhielt Domingo de Guzman die entscheidenden Eindrücke und sein Orden durch die Geburtsgeschichte den feindseligen Charakter. Judenflecken und Dominikaner haben die Juden bis zum äußersten erniedrigt. Von der Milde des Hierarchen sollten wir daher nicht reden. Viele, welche das Buch zur Hand nehmen, werden vor allem darüber Aufklärung suchen, ob die Juden immer Handels- und Geldgeschähe trieben oder auch Ackerbau und Handwerk. Das Resultat der Untersuchungen dürfte in dieser Hinsicht eine Wahrheit ergeben, die keinem verständigen Menschen zweifelhaft war. Die Juden wandten sich zu allen Zeiten gerade wie heutigen Tages denjenigen Berufen zu, welche jeweils die lukrativsten gewesen sind, und da der Beruf meistens der lukrativste ist, welcher eine Lücke im sozialen Leben der Gesamtheit ausfüllt, so traten sie in diesem so lange deutlich hervor, bis sie durch gesetzgeberische Maßnahmen zurückgedrängt wurden und nach neuer gewinnreicher Beschäftigung Umschau halten mußten. Wir finden Juden in allen Berufen, die Aussicht auf Erfolg versprachen, und deren Ausübung ihnen möglich war. Durch eine hohe Begabung zeigten sie sich allen Situationen gewachsen und verstanden es, sich unter allen Kulturverhältnissen durch zu setzen. C. resümiert S. 12: »Die so häufig abfälligen Urteile über das Wirtschaftliehe Gebaren der Juden gehen hauptsächlich, und selbst wenn es denen, welche sie aussprachen, nicht klar zum Bewußtsein kam, auf jene Lehren christl. Ethik zurück, die in den Tugenden der Heiden nur glänzende Laster erblickt und das Streben nach ökonomischer Verbesserung als schnöde Gewinnsucht brandmarkt.« Ein Verschulden der Juden existierte nur in der Illusion ihrer Gegner. Es ist ein großes und schwieriges Gebiet, dessen Bearbeitung der Autor in die Hand genommen hat. Die Schwierigkeiten erhöhten sich dadurch, daß ihm hebräische Quellen, soweit sie nicht in den vorhandenen Geschichtswerken, namentlich bei Graetz, bereits beachtet sind, meistens unzugänglich blieben. Deshalb ist doch das, was geboten wurde, nicht minder außerordentlich verdienstvoll und des vollsten Beifalles wert. Daß die Darstellung eine völlig objektive ist, sei noch hervorgehoben, und ich glaube, daß gerade auf diese Art dem Judentum die schätzenswertesten Dienste geleistet werden. »Paint me as I am. If you leave out the scars and wrinkles, I will not pay you a Shilling.« Glogau. Lucas. Monatsschrift, 53. Jahrgang. 8

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