Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen. 111 getrennt entweder in Klöstern oder sonst von christlichen /Männern und Frauen erzogen werden sollten, ist gewiß nie auf der toled. Synode gefaßt worden. Die meisten Handschriften haben zur fraglichen Stelle filios vel filias baptizatos oder hinter Judaeorum das Wort apostatorum. ' Die Ursachen der Verfolgung unter Heinrich II. hält Caro S. 165 für dunkel. Er meint, sie könnten vielleicht im Zusammenhang stehen mit dem Übertritt eines Klerikers Wezelin zum Judentum. Immerhin könne es sich auch um das Übergreifen einer heftigen Bewegung gegen die Juden nach Deutschland handeln, die etwa zu gleicher Zeit sich in Frankreich abgespielt zu haben scheine. Ich halte die letztere Annahme für richtiger. Die Verfolgungen dürften sogar bereits im Zusammenhang stehen mit dem Aufschwung des mystischen, und religiösen Lebens, der von zwei Stellen ausging, von Clugny und von der sächs. Dynastie. Wir finden in der Umgebung Heinrichs den seiben Odilo, der den Glaber veranlaßt«, jene Geschichte zu schreiben, in welcher der Beschluß eingetragen ist, daß die Juden überall vertilgt werden sollen. Die Verfolgungen müssen bedeutend gewesen sein, auch Petrus Damiani sagt jedenfalls auf diese Exzesse bezugnehmend von den Juden: »qui iam de terra pene deleti sunt.« Wie die Verfolgungen im 7.Jahrh., so stehen auch die ums Jahr 1010 zuletzt im Zusammenhang mit Berichten aus dem Orient, vgl. z. B.: Ipso anno sepulcrum Domini Hierosoiymis confractum est a Judaeis et Sarazenis (Ademar. hist. III. ex Chron. Wilh. Godelli; Chron. Virdun. Bouquet X, 152, 262, 209 u. a.) Mit der Charakterisierung des Petrus Damiani bin ich nicht einverstanden. Dieser kirchenpolitische Vorkämpfer geistl. Ansprüche hat zwar einem gewissen Honestus abgeraten, sich in Disputationen mit Juden einzulassen. Der Verfasser hätte daraus aber nicht auf eine freundliehe Gesinnung gegen die Juden schließen sollen. Damiani rät dem Honestus von den Disputationen ab, weil er ihn für unfähig hielt. Antilogus c. J. Paris 1642, Tom. III, 10: Inhonestum quippe est, ut Ecclesiasticus vir... de Christo rationem nesciens inin insultantibus victus et confusus abscedat. Von den Juden war auf dem Conzil von Clermont offenbar gar nicht die Rede, schreibt der Verf. S. 205. Das ist richtig, aber vom Antichrist wurde geredet nach Guibert von Nogent (Gesta II, 479). Diese Beziehung war im Mittelalter nicht mißzuverstehen. Soweit die Kreuzzüge auf chiliastische Vorstellungen zurückgehen, war die Bekehrung der Juden ebenso sehr das Ziel wie die Besiegung der Heiden. Die religiösen Momente, welche die Kreuzfahrer gegen die Juden geltend machten, und welche bei Petrus Venerabilis