Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus dem Nachlaß Augusts von Hennings
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 3)
- Language
- German
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82 Aus dem Nachlaß Augusts von Hennings. der Börse angeschlagenen Aufforderungen zu Gewaltsamkeiten gegen die Juden angesehene Personen beleidiget seyn sollen. 143. (In der Politik wollen) die Aristokraten einen bethörten, von Juden, Geistlichen, Weibern, Launen, Leidenschaften, Intriganten geführten Schwächling ... und der König hat dem Kanzler}) gesagt, daß iener wisse, dieser sey kein Judenfreund, worauf der Kanzler scherzhaft erwiderte, weder den beschnittenen noch den unbeschnittenen. Ein ernsthaftes Wort mit einem Könige zu reden, erlaubt freilich die allerunterthänigste Ehrfurcht nicht. Um eine iuristische Frage mit einzumischen, die mir doch auch am Herzen lag, fragte ich den* Kanzler, ob man in praxi nach der im Codice und den Novellen enthaltenen Vorschrift, daß kein Jude gegen einen Christen als Zeuge gelte, befolgen müsse. Er gestand ein, daß die Vorschrift nicht aufgehoben sey, hatte aber doch das Herz zu sagen, daß sie vom Obergerichte nur vielleicht überall nicht befolgt werde; wie ich denn auch neulich auf erhaltenen Auftrag des Obergerichts einen Juden als Zeugen gegen einen Christen vernommen. Das Gesetz hat noch einen guten Grund, bemerkte ich, da wie Schmidt Phiseldek* 2) in seiner Schrift über die Juden gezeigt hat, die Juden durch ihr Gesetz angewiesen sind, in * einer Sache gegen Christen nie zum Nachtheil “der Juden zu zeugen. Öer Kanzler Hess sich nicht weiter ein. Die Schrift von Schmidt Phi. seldeK ist nicht übel, sagte'er fragend, und als ich ihm beipflichtete, fügte W hinzu : Der Verfasser hat sich dadurch nicht beliebt gemacht. Der König ist bey dem Aufläufe gegen die Juden wirklich compromittirt worden. »Sie kennen«, sagte der Kanzler, »die Ähnlich״ keif <der .*Caricaturen mit dem Könige. So hat man ihn abgebildet, wie JuderT ihn führen«. Es wird nemlich erzählt, dem Könige sey ein Strick durch die Nase gezogen, mit dem Judeh ihn leiten, denen die Minister aus der Tasche kucken. Dabey soll er dort der Juden König genannt seyn. ־ *‘*־ ״ '' )v ... 144. Die Meutereien gegen die Juden sind auch in Fünen und Jütland äusgebrocheh. Sie sind ein Beweis des allgemein hersuchenden Missvergnügens, nicht eines Vereins. So gehet es, wenn 1M1i die öffentliche Meinung nicht laut werden lassen, nicht hören, nicht ächten will1 * V . . . 5 Die unruhigen Auftritte in Engeland, die bedenklichen Wahlen ף Jul. Kaas. 2) Der Theolog und Cameralist C. F. v. Schmidt-Phiseldeck (Braunschweig 1770, Kopenh. 1832) schrieb u. a. (dänisch, später deutsch): Über das jetzige Verhältniss der jüdischen Nation in dem christlichen Bürgervereine . . , Copenh. 1817.