Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Konvertit Friedrich Christian Christhold
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 6)
- Language
- German
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Der Konvertit Frindrich Christian Christhold. 99 Schurkenstreiche beizustehen. Er war in die militärische Laufbahn eingetreten, und als königl. Preußischer Sergeant mit einem nicht mehr näher zu ersehenden dienstlichen Auftrag an den Ansbacher Hof geschickt worden. Hier hörte er (August 1719) von dem obsiegenden Urteil Schwabs. Der letzte Funke menschlichen Empfindens schien doch noch nicht erloschen zu sein. Die Liebe zu dem einst so schmählich von ihm verratenen Vater erwachte. Sofort erwirkte er sich vom Hofrate des Markgrafen ein Empfehlungsschreiben an den Sulzbacher Hof. Darin wird ersucht, dem Sergeanten »aus christlicher Liebe und zu Handhabung heilsamer Gerechtigkeit Willfährigkeit« zu zeigen. Mit diesem Schreiben wandte sich Christhold nun nach Sulzbach selbst. Dort ersuchte er in einer gegen Schwab geradezu wutschnaubenden Eingabe, die Regierung möge ihm mit aller Macht zur Hand gehen und ihm beglaubigte Aktenbelege zur Verfügung stellen, damit er gegen die Betrügereien des Schwab bei dem Ansbacher Amt Kadolzburg klagend vorgehen könne, »um so mehrers, »weilen dadurch deß Juden Doctor gebrauchte Rank und »List an Tag kommen, und ich so ehender zu meiner satis- »faction gelangen könne. Solche mir dadurch zuwachsende »hohe hochfürstl. Gnade werde ich nicht allein bei Sr. »Königl. May. meinem allergnädigsten Herrn zu rühmen »wissen, sonderen auch mit dem ersinnlichsten respect ver- »bleiben...« Wir sehen, Christhold hat Karriere gemacht »und kann bereits Gnadenbeweise in Aussicht stellen. Ahron war charaktervoll genug, die ihm plötzlich gewordene Hilfe aus erster Hand nicht in Anspruch zu nehmen, wie er denn auch im ganzen Verlauf des Prozesses von Anfang an sich nicht ein einzigesmal auf die eventuelle Zeugenschaft des unnatürlichen Sohnes berief, ja dessen Namen, der doch eigentlich im Vordergrund der Verhandlungen stand, zu Verteidigungszwecken nie vor Gericht über seine Lippen brachte. r