Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Münster (Westfalen)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 Zur Geschichte der Juden in Münster (Westfalen). die aus dem 14. Jahrhundert stammen. Die betreffenden Ausführungen desselben lassen wir hier im Wortlaute folgen: »ln seiner Geschichte der Wiedertäufer bemerkt Kerssenbroick, daß Denkmäler von der Synagoge und den Häusern, die infolge einer Judenverfolgung zerstört waren, zum Neubrückentore gebracht worden seien, wo man sie zu seiner Zeit noch habe sehen können. Bei der genannten Pforte wurden 1818 »unter abgebrochenen Baumaterialien« mehrere Leichensteine gefunden, deren hebräische In- Schriften der Landrabbiner Abraham Sutro uns im Wortlaute erhalten hat. Sie heißen nach seiner Übertragung also: 1) Hier ist der würdige Greis Abraham Jakob Cohn begraben, welcher am Donnerstage den 17. Sabbat (sic! Es muß »Schebat« heißen) 98 (5098 8. Januar 1338) gestorben ist, möge er mit den übrigen Frommen bald auferstehen! Amen. 2) Hier ist der Greis Assur Uri Levy begraben, welcher Sabbat den 11. Sir (sic! Es muß »Sivan« heißen) 95 (5095 3. Juni 1335) gestorben ist, möge er bei den übrigen Frommen im Paradiese ruhen! 3) Hier ist die würdige Frau, Tochter des Meschullam, begraben, welche am Sabbat im Jahre 106 (5106 1346) gestorben ist, möge sie bei den Frommen im Paradiese ruhen! Auf dem Bruchstücke eines vierten Leichensteines war die Zahl 73 (5073= 1313) lesbar. Nach einer Prüfung des hebräischen Textes, die Herr Professor Fell gütigst vorgenommen hat, ist an der Zuverlässigkeit der Zahlenangaben nicht zu zweifeln. Die Frage, ob ein Stein dem Rabbiner überlassen werden könne, die übrigen aber der ursprünglichen Bestimmung gemäß als Denkmäler auf dem jüdischen Kirchhofe niederzulegen seien, wurde von der königlichen Regierung unter dem 3. September 1818 verneinend beschieden. Sie bestimmte, sämtliche Steine am Neubrückertore »nächst bei der Stelle, wo sie bisher ein-