Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Anteil der jüdischen Freiwilligen an dem Befreiungskriege 1813 und 1814
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Der Anteil d. jüd. Freiwilligen an d. Befreiungskriege 1813|1814. Allein das Interesse und auch die Dankbarkeit ihrer Glaubensgemeinschaft hielt die jüdischen Jünglinge nicht davon ab, in den Kampf zu ziehen für ein Vaterland, das ihnen ein solches erst seit Jahresfrist war. Nur achtzig Juden sind ausgehoben, also behördlich dem Heere einverleibt worden1) — alle anderen waffenfähigen jungen Israeliten Preußens waren schon vorher zu den Fahnen geeilt. Ein christlicher Autor schrieb schon im Jahre 18152): »Tatsache ist, daß die Söhne der wohlhabendsten jüdisehen Familien in den Hauptstädten mit dem Beispiele freiwilliger Ergreifung der Waffen vorangingen, und alle mit eben der Ausdauer, eben der Treue, wie andere Staatsbürger, fochten und bluteten.« Ihre Zahl — ausser jenen 80 — ist nach einer Berechnung des Kriegsministeriums im Jahre 1843 auf 263 angegeben worden. Sie erscheint als viel zu gering, die ganze Abschätzung als durchaus wertlos. Ihre Entstehung ergibt sich aus der dem Vereinigten Landtage im Jahre 1847 vorgelegten Denkschrift des Ministers des Innern über die Ausdehnung der Militärpflicht der Juden. Hier wird mitgeteilt, daß hach der Schätzung des Kriegsministeriums beim 2., 3. und 5. Armeekorps etwa je 40, beim 6. Armeekorps 60, beim 4. aber 80 Juden, und zwar größtenteils als Freiwillige gedient hätten (= 260), während vom 1. Armeekorps nur unvollkommene Listen existierten. Nun gab es aber 1813 überhaupt nur vier Armeekorps, und es sind gerade vom I. die besterhaltenen und vollständigsten Listen erhalten. Des V. und VI. Armeekorps sind erst 1815 aufgestellt worden: die Zahlen des Militär -W o c h enblatts können sich also gar nicht auf 1813/14 beziehen! Ein solche Leichtfertigkeit ist bei amtlichen Abschätzungen unerhört. *) Militär-Wochenbl. vom 3. Nov. 1843. a) BuchhoTz, Aktenstücke, die Verbesserung des bürgergediehen Zustandes der Juden betreffend (Tübingen 1815).